Karfreitag 2026
Manchmal reichen das Knien oder Stehen nicht aus.
Die Liturgie kennt das Niederwerfen –
gleich zu Beginn des Gottesdienstes heute.
Ohnmacht.
Am Boden liegen.
Es geht nichts mehr.
Der Boden unter den Füßen scheint weggezogen.
Liegenbleiben.
Alles vorüberziehen lassen.

Jesus warf sich im Garten Gethsemane vor seiner Kreuzigung zu Boden.
Last und Angst drücken nieder.
Am Boden liegen bedeutet erschöpft, besiegt oder geschlagen zu sein.
Erledigt. Kraftlos.

Mit Blick auf das Kreuz versagen unsere Erklärungen.
Wir versuchen nicht, Leiden wegzureden oder schönzusingen.
Das Leiden Jesu nicht – das Leiden anderer Menschen nicht –
unser eigenes Leiden nicht.
Wir spüren, dass wir – wie der Schöpfungsbericht sagt –
von der Erde genommen sind, dem Staub sehr nahe.
Und kennen und bekennen die Momente,
in denen wir am liebsten dem Erdboden gleich sind
oder in ihm versinken möchten.
Auf dem Boden gibt es keine Hierarchien mehr, keinen Stolz, keine Masken.

Der Karfreitag sagt:
Auf dem Boden findest du Jesus, er liegt schon da.
Du bist nicht allein.
Er erwartet dich in deiner tiefsten Tiefe.
Mit ihm wird der Boden nicht zum verschlingenden Loch,
sondern zum tragenden Grund.

Am Karfreitag sehen wir den leidenden und sterbenden Jesus,
und wir sehen alles menschliche
– vielleicht sogar alles geschöpfliche – Leiden und Sterben,
wir sehen des Lebens Tiefe.

Wer mit Gott tief unten ist,
muss vor den Mächtigen dieser Welt nicht mehr kriechen.
Er ist durch die Hölle gegangen.

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