A 3. Sonntag der Osterzeit 2026
Die Jünger baten Jesus, bei ihnen zu bleiben,
mit ihnen ins Haus zu gehen.
„Setz dich doch zu uns.“ Ist eine der stärksten Einladungen,
die wir aussprechen können.
Schließlich bitten wir nicht jede und jeden, bei uns zu bleiben.
Die Haustür ist die Grenze zwischen der Welt draußen
und unserer Privatsphäre.
Wir entscheiden, wen wir ins Haus, wen wir an den Tisch lassen.
Denn am Tisch geschieht mehr als reine Nahrungsaufnahme.
Beim Kauen, beim Trinken, beim Reden zwischen den Bissen
werden wir menschlich, verletzlich, echt.
Wir lassen Masken fallen.

Für Jesus waren Tische oder gemeinsame Mähler wichtig.
Er hat bedeutsame Botschaften
beim Essen verkündet oder damit ausgedrückt.
Er saß mit Zöllnern, Sündern und Freundinnen zu Tisch.
Eine Sünderin salbt Jesus die Füße,
als er zu Gast im Haus eines Pharisäers war.
Jesus hat Hierarchien umgestoßen, indem er einfach Platz nahm.
Er macht keine Standesunterschiede.

Am Tisch kommen Fragen auf den Tisch,
die wir den Tag über möglicherweise wegschieben:
„Wie geht es dir wirklich?“ „Was macht dir Angst?“
An einem Tisch sitzen hat mit Vertrauen zu tun.

Das hatten die Jünger auf dem Weg nach Emmaus schon unterwegs erlebt,
dass sich einer so sehr für sie interessiert, fragt, nachfragt,
ihre Trauer wahrnimmt –
und dass etwas zwischen ihnen und dem Fremden entsteht,
Vertrauen, Nähe.
Warum sonst sollten sie den Fremden mit ins Haus bitten?
Doch nur, weil er ihnen nach dieser Wegstrecke nicht mehr fremd war,
sie möglicherweise das Gefühl hatten,
dass sie sich schon viel länger kannten als die paar Stunden…

Wir essen vom selben Brot.
Das Brotbrechen veranschaulicht es:
Am Tisch sind alle gleich.
Was auf den Tisch kommt, ist für alle.
Der Tisch verbindet Wort und Brot.
Jesu Worte sind nicht nur für den Kopf,
seine Worte wollen sich setzen, fest setzen.
Er besiegelt seine Worte mit Brot:
Bevor er die 5000 sättigt, ihnen Brot bricht, redet er zu ihnen.
Bevor er das Brot im Abendmahlssaal bricht,
spricht er zu den Versammelten.

In Emmaus nimmt Jesus das Brot und bricht es.
In der antiken Welt war es das unumstößliche Recht des Hausherrn,
das Brot zu nehmen, den Segen zu sprechen und es zu verteilen.
Jesus wird vom Gast zum Gastgeber.
Die Jünger erfahren Jesus nicht mehr als ihren Gast,
sondern sie erfahren sich als seine Gäste.

Er gibt ihnen das Brot.
Er gibt ihnen mehr als Brot.

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