A 26 2026, Mt 21, 28-32
Manches an diesem Evangelium überrascht.
Nicht so sehr, dass jemand Nein sagt
und sich dann erneut besinnt und anders handelt.
Das gibt es.
Aber was es nach orientalischer Sitte nicht gibt, ist,
dass ein Vater zu seinen zwei Söhnen hingegangen wäre,
um sie in den Weinberg zu bitten.
Er hätte sie zu sich kommen lassen.
Dieser Vater jedoch ist anders, er ist kein Patriarch,
er lässt nicht kommen, er geht hin.
Heute sehen wir diese Bewegung in Jesus voll und ganz verwirklicht:
in ihm erscheint Gott als der Kommende, als der Bittende,
als der, der aus der ihm zugedachten und vermuteten Rolle herausfällt –
und zeigt, dass das nie seine Rolle war.
Die zweite Überraschung: die Brüderkonstellation.
Biblisch vertraute Hörer
sind die unterschiedlichsten Geschwisterkonstellationen gewohnt:
Kain und Abel, Jakob und Esau, Joseph und seine anderen Brüder –
immer spannende Geschichten voller Gegensätze.
Fast wie Tag und Nacht, wie Feuer und Wasser,
obwohl Geschwister – völlig verschieden.
Hier auch.
Die Hohenpriester und die Ältesten,
denen Jesus dieses Gleichnis direkt erzählt, ahnen,
dass sie in dem Sohn gemeint sind, der Ja sagt,
sogar wie ein Untertan „Ja, Herr“ sagt, es aber nicht erfüllt.
Betonter Gehorsam – aber nur im Reden.
So erlebt Jesus offensichtlich Menschen, die seiner Religion angehören:
den Worten nach fromm, es aber im Alltag nicht einhaltend,
was ihre Lippen bekennen.
Eine Versuchung, die uns alle betreffen kann:
Von Versöhnung reden, aber sie – wenn es konkret wird – nicht leben,
von Gott reden, aber ihn nicht in den Alltag lassen.
Im Gegensatz dazu beschreibt er den anderen Sohn,
der ablehnt mit seiner Antwort, aber dann anders handelt.
Wir erfahren – dritte Überraschung – wen Jesus mit dem zweiten Sohn meint:
Zöllner und Dirnen.
Die klare Rollenaufteilung: hier die Guten, da die Schlechten ist dahin.
Im eigentlichen Sinn gehorsam erscheinen nicht diejenigen,
deren Rolle, Beruf und Stand, deren Worte wie ein einziges Ja wirken,
eine Zustimmung ausdrücken oder ausdrücken sollen;
gehorsam erscheinen, die wie ein Nein, wie eine Ablehnung wirken,
aber die Jesus dem Himmelreich viel näher sieht,
weil das Wort des sie aufsuchenden Vaters sie auf Dauer bewegt.
„Später aber reute es ihn.“
Im zweiten Sohn beschreibt Jesus Menschen,
bei denen das Wort, die Bitte des Vaters wirklich ankommt und Tat wird.
———
Christen sind nicht automatisch Christen, weil sie getauft sind,
Glaubende sind nicht automatisch Glaubende,
weil sie Loblieder singen oder von Gott reden.
Am Anfang muss nicht das Lippenbekenntnis stehen,
entscheidend ist, dass das Leben selbst zum Bekenntnis wird.
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“
drückt es der Evangelist Lukas aus.
Jesus erzählt dieses Gleichnis im Tempel.
Immer noch hofft er, dass seine Worte Wirkung entfachen,
dass seine Zuhörer sich selbst erkennen und bewegen lassen.
Er geht in die direkte Auseinandersetzung.
Damals wie heute. Und riskiert seine Verwerfung.