A 10 2026 Mt 9, 9-13
Gemeinsam am Tisch sitzen oder liegen ist schon was Besonderes.
Wo Menschen miteinander essen, gibt es etwas Verbindendes,
nicht nur das Einnehmen der Speisen –
oder es soll durch das Essen Verbindendes geschaffen werden.
Das gemeinsame Essen im Orient war mehr als reine Nahrungsaufnahme.
Es war ein Zeichen tiefster Verbundenheit,
des Friedens und der gegenseitigen Anerkennung.
Verbindendes hätte es gar nicht geben dürfen
zwischen Jesus und dem Zöllner Matthäus.
Denn des Zöllners Kontakt mit heidnischem Geld
und die Zusammenarbeit mit der heidnischen Obrigkeit
ließen Matthäus als kultisch unrein gelten.
Und Unreinheit galt als ansteckend.
Wer kultisch unrein war,
wurde mindestens vorübergehend ausgeschlossen aus der Gesellschaft.
Darum die aus religiösen Motiven heraus gestellte Frage der Pharisäer,
wie Jesus zusammen mit Zöllnern und Sündern essen kann.
Jesus übernimmt nicht einfach nur überlieferte Regeln.
Er prüft sie und kommt offensichtlich
in dieser wie in anderen Situationen zu dem Schluss:
Kultische Unreinheit steckt nicht an.
Diese Ausschließerei muss endlich ein Ende haben.
Hatte sie nicht. Hat sie nicht.
Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts
gab es die „Aussegnung der Mutter nach der Geburt“.
Dieser Muttersegen
wurde als Reinigung von einem sittlichen Makel verstanden;
erkennbar daran, dass Frauen,
die im Wochenbett ohne Aussegnung verstorben waren,
in einigen Orten ohne kirchliches Begräbnis vor den Friedhofsmauern begraben wurden – wie es auch mit SelbstmörderInnen gemacht wurde.
Grenzziehungen konnten wir Menschen und damit auch Kirche
immer schon ganz gut.
Berührungsängste stellen die harmlose Variante dar.
Wer was warum nicht kann oder darf, wurde und wird festgeschrieben.
Und im Alltag nennen wir es „gesunden Menschenverstand“,
„Schutz der Werte“ oder „theologische Klarheit“.
Wir brauchen das Abstempeln anderer, um uns selbst abzusichern.
Jesus zieht keine Grenzen.
Er sucht das Verbindende: Beim Essen und auch sonst.
Er bringt Menschen zusammen, die verschiedensten,
denn irgendwie müssen ja auch Pharisäer
bei diesem Essen zugegen gewesen sein.
An anderer Stelle kehrt Jesus in das Haus eines Pharisäers ein.
Jesus macht keine Unterschiede.
Das gefällt nicht jeder und jedem;
weil es nur „schwarz weiß“ gibt, rein oder unrein, gläubig oder nicht gläubig,
um nur ein paar Gegensatzpaare aufzuzählen.
Die Welt einteilen hilft: Insbesondere,
wenn ich mich auf der richtigen Seite wäge.
Rechtfertigen Gegensätze oder Verschiedenheiten Ausschlüsse?
Die Mahle, bei denen Jesus anzutreffen war,
schienen anderes zu signalisieren: Kein „Wir gegen Die“,
sondern: „Wir an Gottes Tisch“.
Das pharisäische Murren verklingt nicht.
Es hallt weiter im Warnen vor dem Verlust des Profils,
im Warnen vor dem Verrat an der Tradition
oder vor der Anpassung an den Zeitgeist.
Ganz anders Jesus.
Sein Handeln erwächst nicht aus Angst sondern aus Liebe!