Ostern 2026 Mt 28, 1-10
Er ist nicht hier! Sagt der Engel zu den Frauen.
Auch dieser kurze Satz ist Osterbotschaft.
Ostern schauen wir zunächst ins Leere.
Da, wo die Frauen Jesus vermuten,
zumindest das, was von ihm übrig geblieben ist, ist Nichts.
Die Frauen weichen der Leere nicht aus.
Sie tut weh.
Wir kennen das, wenn wir trauern;
wenn eine vertraute Stimme nicht mehr zu hören ist,
wenn ein Stuhl leer bleibt.
Und wir wissen, wie die äußere Leere der inneren entspricht;
wie wir selbst leer werden, Kräfte entschwinden, uns hohl fühlen,
ausgelaugt, wenn wir nur noch Hülle sind.
Das muss man sagen dürfen. Das muss sich äußern dürfen.
Er ist nicht hier! – Das sagt im Osterevangelium nicht irgendwer,
es sagt ein Engel.
Engel bringen Botschaften, die von Gott kommen.
Engel bringen Botschaften, die wir so nötig brauchen.
Vielleicht ist so manche Leere in uns, die wir verspüren,
beginnende Verkündigung.
Und jemand sagt uns: Dein Gefühl ist ja richtig.
Trau dem, was du wahr nimmst.
Lass dir nicht einreden, du müsstest anders fühlen,
und deine Gottesleere verleugnen.
Lass dir nicht einreden, Jesus sei da, wo Menschen ihn bewahren wollen.
Lass dir nicht einreden, das wiederholte Aufsagen seiner Worte
spräche (schon) für seine lebendige Gegenwart.
Den Gott von gestern findest du heute nicht!
Wir glauben nicht an den gestrigen, wir glauben an den heutigen.
Was gestern hielt, muss heute nicht mehr halten;
was gestern sprach, muss heute nicht mehr sprechen.
Aber du lebst heute.
Und darum geh und finde, was und wer dich heute anspricht,
was und und wer dir heute entgegen kommt und dir etwas zu sagen hat.
Das Weggehen der Frauen vom Grab
ist das hinter sich lassen alter Erfahrungen,
nicht weil sie nicht wahr und bedeutsam gewesen wären,
aber weil sie vergangen sind.
Die Leere wird vom Mangel zum Platzhalter für etwas völlig Neues.
Bei aller Rede von Nachfolge, die wir kennen:
Am Grab beenden die Frauen ihre Nachfolge an den verstorbenen Jesus,
und es ist die Voraussetzung dafür, dass der auferstandene Christus
ihnen entgegen kommt.
Kein Jubel bringt ihn herbei, kein noch so frommes Wort.
Er kommt, wo Menschen ihrer eigenen Wahrnehmung trauen
und eingestandene Leere wie ein Engel-Wort bewegt,
darauf zu hoffen, er werde sich zeigen.
Darum ist bei der großen Freude immer auch Furcht.
Darum ist bei aller Erfahrung von Erfüllung immer auch Leere.
Darum ist bei allem empfundenen Glück immer auch Schmerz.
Darum ist bei aller Zuversicht immer auch Zweifel.
Darum ist bei allem Ostern immer auch Karfreitag.
Und darum ergeht in diesem Evangelium gleich zweimal,
einmal durch den Engel, dann durch Jesus selbst das Wort an uns:
Fürchtet euch nicht!