A 18 2026 Mt 14,13-21
Enthauptet.
Johannes der Täufer ist tot. Umgebracht. Ums Wort gebracht.
Dieser unbequeme Zeitgenosse ist ausgeschaltet.
Er redet nicht mehr ins Gewissen,
zu ihm geht niemand mehr hin.
Jesus hört davon und zieht sich zurück,
sucht das Abgelegene, will mit sich allein sein.
Offensichtlich trauert nicht nur er, auch die Volksscharen,
die ihm zu Fuß nachfolgen.
Sie erhoffen sich aufrichtende Worte, Trost und Beistand.
Und bekommen ihn.
Sein eigenes Leid verschloss Jesus nicht das Herz,
sondern öffnete es noch weiter für das Leid der anderen.
Darüber wird es Abend.
Abend bedeutet das Erreichen einer Grenze.
Nach menschlicher Logik kann man am Abend nichts mehr machen,
die Zeit ist abgelaufen, Erschöpfung macht sich breit.
Die Kraft ist dahin.
In diesem Evangelium kommt dazu die Angst vor dem Mangel,
vor der Hilflosigkeit des Menschen,
wenn die eigenen Ressourcen unzureichend erscheinen.
Wir kennen das, wenn uns Aufgaben über den Kopf wachsen,
wenn wir das Gefühl haben, dass uns die Vorräte ausgehen,
wir für uns selbst und für das eigene Leben
kaum noch Energie aufbringen können:
„Schick die Leute weg“ – sagen die Jünger;
vielleicht weil sie sie als Bedrohung erleben,
die zu sehr am eigenen Leben zehren.
Jesus handelt nicht nach dem Prinzip:
Wenn jeder zunächst für sich sorgt, ist am Ende für alle gesorgt.
Denn er weiß, dass das Leben ungerecht ist.
Das Leben verteilt nicht auf alle gleichmäßig,
und die Ausgangsbedingungen sind nicht für alle gleich.
Wer findet schon in sich allein, im eigenen Leben genug zum Leben?
Wir sind auf das Teilen angewiesen
und auf die Überwindung der Angst, wir würden im Geben verlieren.
Anders gesagt: was uns selbst nährt, vermag andere auch zu nähren.
Dieses Evangelium verschärft sogar noch:
Gerade wenn wir vor den Trümmern unseres Lebens stehen
oder riesige Herausforderungen sehen,
uns erschöpft und winzig klein vorkommen
mit der Frage: „was kann ich schon bewirken?“
kann genau das Wenige große Wirkung haben.
Das Wunder der Speisung beginnt nicht mit Reichtum,
sondern mit dem Eingeständnis des Mangels.
Gott erwartet nicht das Perfekte, Reiche, Starke Unerschöpfliche.
Das wäre vermutlich unsere erwartete Antwort an diesem Abend
im Schatten der Enthauptung des Johannes,
dass jemand aus Überfluss gibt, vor Energie strotzt und als Trostquelle fließt.
Stattdessen tröstet der selbst trauernde Jesus,
sättigen die wenigen Brote, die eher Zeichen des Mangels sind.
Und der Abend findet so schnell kein Ende,
die späte Stunde verliert ihre Bedrohlichkeit
und schenkt eine verbindende Gemeinschaft.