A 13 Mt 10,37-42
Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert.
Ist Jesus eifersüchtig?
Oder wie dürfen wir diese Verse verstehen?

Die Worte richten sich an die Apostel.
Wer mit Jesus zog, war nicht mehr so in der Familie präsent.
Aber sind das gewollte Gegensätze:
Leben in der Familie – und Jüngerin oder Jünger Jesu sein?
Mitunter legt sich der Eindruck nahe,
ausgedrückt im sogenannten Ständedenken von Ehestand
und Priesterstand.

Ein französischer Schriftsteller hat einen prägnanten Satz gefunden
und gesagt: „Weil sie niemanden lieben, glauben sie schon, sie liebten Gott.“

Gottesliebe entscheidet sich nicht daran,
ob und in welchen Beziehungen Menschen zueinander stehen;
sie entscheidet sich daran, wie wir diese Beziehungen leben.

Ob alle Apostel, an die sich diese Worte richten,
ihre Familie tatsächlich verlassen haben, wissen wir nicht.
An einer Stelle in der Bibel lesen wir,
wie Petrus mit Jesus in das Haus seiner Schwiegermutter einkehrt.
Da sind offensichtlich nicht alle Bänder zerschnitten.

Ich könnte mir vorstellen, dass Jesus etwas ganz anderes sagen möchte.
Mitunter brauchen wir die Unterscheidung
zwischen Herkunfts- und Wunsch- oder Wahlfamilie.
Herkunftsfamilie ist das biologische und soziale System,
in das wir hineingeboren wurden.
Das suchen wir uns nicht aus.
Wir werden von vielem Guten geprägt, aber es gibt auch Schatten.
Oftmals sind sie uns gar nicht so klar, aber sie können Leben verdunkeln.
Schatten zu benennen,
zu formulieren, was in der sogenannten Herkunftsfamilie nicht gut war,
heißt nicht undankbar zu sein.
Und um eigene Wege gehen zu können, müssen wir uns lösen,
Kinder von den Eltern, Eltern von den Kindern.

Die Wunschfamilie besteht aus selbst gewählten Beziehungen.
Oftmals bietet sie emotionale Unterstützung und Geborgenheit, insbesondere, wenn der Rückhalt der Herkunftsfamilie fehlt.
Aber nicht immer gehen wir wirklich frei in die Wunschfamilie hinein.
Eigentlich – glaube ich – strampeln wir uns ein Leben lang frei,
müssen uns abgrenzen von unserer Herkunft, ohne sie zu verleugnen,
damit sie uns nicht einengt und unfrei macht.

Um Neues eingehen zu können, müssen wir Altes abschließen.
Und natürlich verschieben sich damit Prioritäten.

Ich glaube nicht,
dass Jesus in Konkurrenz treten möchte zu Vater und Mutter,
Tochter oder Sohn, Ehefrau oder Ehemann.
Bei diesen Worten muss man mitdenken,
dass in der Antike die Familie alles bestimmte:
Beruf, Religion und Ehepartner.
Jesus bricht diese totale Kontrolle auf.
Die Einzelne, der Einzelne ist zuerst Gott verantwortlich,
nicht den Erwartungen der Verwandtschaft.

Der Ruf zur größeren Liebe zu Christus
ist damit primär ein Ruf in die Freiheit,
ein Ruf aus einengenden Abhängigkeiten heraus –
eigentlich so etwas wie eine Neugeburt, nicht ohne Schmerzen,
wie das Wort vom Kreuz auf sich nehmen andeutet,
aber eben ein Weg ins Leben.

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