A 25 2026 Mt 20, 1-16a
Niemand hat uns angeworben.
Ein wichtiger Satz.
Denn die Frage kann man sicher stellen,
warum manche Arbeiter bis zur elften Stunde auf dem Marktplatz standen.
Und Antworten könnten heute sein:
Es hat sie niemand zuvor eingestellt.
Vielleicht waren sie zu alt.
Vielleicht hatten sie keine Beziehungen.
Vielleicht kamen sie aus einer Gruppe, die niemand haben wollte.
Vielleicht hatten sie einfach Pech.
Ich kann mir gut vorstellen,
dass die zur elften Stunde noch Herumstehenden das Gefühl haben:
Mich braucht niemand. Für mich ist kein Platz.
Andere sind besser, schneller, erfolgreicher.
Niemand will mich. Ich zähle nichts.
Scham stellt sich ein. Das Selbstwertgefühl nimmt ab.
Teilhabe am Leben ebenso.
Das Leben selbst ist infrage gestellt.
Denn es fehlt Wesentliches: Lebenssinn und Lebensunterhalt.
Tatsächlich sind die Startbedingungen ins Leben sehr unterschiedlich.
Manche wachsen in Sicherheit auf, andere in Armut.
Manche haben einen geraden Lebenslauf, andere nicht.
Manche machen Krisen durch und müssen flüchten,
anderen scheint alles zuzufliegen.
Einige Kapitel später wird uns derselbe Evangelist ein Gleichnis erzählen,
in dem Menschen unterschiedlich viele Talente bekommen. So ist das Leben.
Der Gutsbesitzer im Gleichnis scheint das zu sehen und will es heilen.
Er reagiert darauf, dass nicht alle Menschen die selben Möglichkeiten haben.
Er reagiert darauf, indem er dafür sorgt, dass jeder genug zum Leben hat.
Einen Denar. Einen Tageslohn.
Seine Gerechtigkeit besteht darin,
dass jeder das bekommt, was er zum Leben braucht.
So handelnd glaubt Jesus Gott.
Wäre da nicht das ständige Vergleichen, das Neid vorprogrammiert
und uns fragen lässt: Wer ist erfolgreicher?
Und dann entscheiden Aussehen, Kleidung, Noten, Gehaltsstufen,
in den sozialen Medien die Anzahl an Likes und Follower
über den Wert eines Menschen.
Entstehen Probleme nicht erst im Vergleichen?
Der Gutsbesitzer nimmt ja den Arbeitern der ersten Stunde gar nichts weg,
und niemand sagt ihnen, dass ihre Arbeit nichts wert sei.
Sie bekommen das Vereinbarte.
Verführt uns Vergleichen nicht dazu, mehr auf das zu schauen,
was bei anderen besser erscheint?
Die hat eine schönere Figur als ich. Der hat eine schönere Wohnung.
Die bekommen alles in den Hals geschoben.
Denen schmeißt man es ja nach.
Und die Dankbarkeit für das eigene nimmt ab,
und die Unzufriedenheit nimmt zu.
Der Gott, den Jesus verkündigt, ist der,
der sich der Benachteiligten annimmt,
der in Kauf nimmt, dass das Widerstände und Protest hervorruft.
Da wird durchbuchstabiert, was es heißt,
wenn 99 Schafe zurückbleiben, um das eine Verlorene zu suchen.
Dieses Gleichnis fragt uns:
Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der kein Mensch seine Würde verliert,
nur weil er weniger leisten, weniger verdienen oder später anfangen konnte?