Christi Himmelfahrt 2026
Bis zur letzten Seite lässt das Matthäusevangelium dem Zweifel Raum.
Von den elf Jüngern, die sich auf dem Berg versammeln,
heißt es ausdrücklich: „einige hatten Zweifel“.
Auch nach den Ostererfahrungen,
auch nach den drei Jahren, die sie mit Jesus unterwegs waren,
ist der Zweifel nicht verschwunden.
Woran sie zweifeln, wird nicht gesagt.
Wir können nur vermuten:
Zweifel daran, dass in diesem Moment in der ihnen begegnenden Gestalt
Jesus vor ihnen steht,
Zweifel daran, dass er bei ihnen bleibt, ohne dass sie ihn sehen,
Zweifel daran, dass es weiter gehen wird.
Damit ist unser Zweifel ins Wort gebracht.
Wir schwanken – ähnlich wie es von den Elf berichtet wird –
zwischen Niederfallen und Zweifel.
Gestern wurde uns der Himmel weit und sonnenklar,
heute ist er von Zweifel verhangen.
Die Evangelien lösen das nicht auf –
im Gegenteil: sie geben diesem Hin und Her,
dem dabei sein und dem nicht dabei sein,
dem Zweifel und der Zustimmung Ausdruck:
im Johannesevangelium ist es der Apostel Thomas –
hier sind es gleich mehrere, die zweifeln.
Wenn das bis zur letzten Seite der Evangelien so ist,
dann ist das auch unter uns:
auch unter uns, die wir hier sitzen,
wird und darf der Zweifel Raum haben:
Ist das Jesus, der uns hier begegnet?
Ist er da, auch wenn wir ihn nicht sehen?
Und wird es mit ihm ohne ihn weiter gehen?
Mit Zweifel und Niederfallen sind wir an diesem Ort hier,
ebenso auf dem von Jesus genannten Berg in Galiläa.
Hier geht genauso seine Zusage an uns:
„Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Von Anfang an kennzeichnet das seine Jüngerschaft:
Unsicherheit und Gewissheit, Zweifel und Niederfallen.
Vielleicht hat in unseren Gebeten und Gottesdiensten
der Zweifel nicht den Raum, wie er ihn in den Evangelien,
in der Bibel überhaupt hat.
Wir sind in unseren Gebeten weit entfernt von der rauen und zärtlichen,
der anklagenden und ehrfürchtigen,
der fragenden und drastischen Sprache beispielsweise der Psalmen,
in denen Menschen von sich sagen können:
ich bin hingeschüttet wie Wasser, die Zunge klebt mir am Gaumen…
Wir mögen es lieber glatt.
Glatt bedeutet aber auch Abperlen, wenig Halten.
Wer zu Jesus gehörte in der Jüngerschaft
war nicht so glaubenssicher,
wie es heute erwartet scheint im Aufsagen des Glaubensbekenntnisses.
Dennoch wird auf dem Berg in Galiläa nicht ausgesiebt und unterschieden.
Alle, die Niederfallenden und die Zweifelnden, werden gesandt;
alle erhalten den einen Auftrag und die eine Zusage,
für ihn – mit ihm – unterwegs zu sein.
Bis heute!
Und morgen auch!