C 21 2025 Lk 13, 22-30
„Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein
und manche von den Ersten die Letzten.“
Schon zur Zeit Jesu zählte dieses Wort von den Ersten,
die zu Letzten werden, zu einem verbreiteten Sprichwort.
Es fand bei zahlreichen Gelegenheiten Verwendung.
Jesus nimmt dieses abgegriffene Wort auf, um aufzuwecken.
Manche von den Ersten werden die Letzten sein.
Banges oder eher neugieriges Fragen setzt damals und immer wieder ein:
Wie viele werden gerettet?
Sind es wirklich nur wenige?
Jesus weigert sich entschieden,
irgendeine Zahlen- oder Mengenangabe zu machen.
Was würde sie bewirken?
Prozentuale Angaben können möglicherweise beruhigen,
aber Garantien geben sie nicht.
Jesus lässt die Frage offen –
Glaube und Gläubigkeit sind nicht in Zahlen zu erfassen.
Es geht statt dessen um jeden einzelnen Menschen.
Das Wort von der engen Tür weist darauf hin,
in dem es zum Ausdruck bringt:
Diesen Weg kannst Du nur allein gehen, du selbst bist gefragt.
Du kannst niemand anderes verantwortlich machen.
Aber es kommt noch mehr zum Ausdruck, nämlich:
Wenn die Tür auch eng ist, sie ist offen für Dich.
Du bist schon einmal durch eine ähnlich enge Tür gegangen:
damals bei Deiner Geburt – und auch das war ein Mühen mit allen Kräften.
Wie sehr hat es sich gelohnt.
So ist auch der Tod wie eine enge Tür,
durch die jeder Mensch nur allein passt,
durch die Du nur mitnehmen kannst, was Du selbst bist.
Aber auch diese enge Tür will – wie bei der Geburt – eröffnen,
in grenzenlose Weite führen.
Müh Dich mit allen Kräften; so lange du lebst, ist nichts entschieden;
alles ist offen.
„Sind es wenige, die gerettet werden?“
Die wichtigsten jüdischen Schriften zur Zeit Jesu lehrten,
dass nahezu alle Juden Anteil an der zukünftigen Welt haben
mit Ausnahme weniger Abtrünniger.
Jesus sieht keinen Automatismus –
darauf verweist das Gleichnis von der verschlossenen Tür;
verschlossen für die, die sich doch so sicher waren,
die schon mit dem Hausherrn gegessen und getrunken haben.
Von Jesus gehört, ihn empfangen zu haben ist das eine –
sein Wort zu leben, ihm im Alltag Raum zu lassen, das andere.
Aber die enge Tür ist nicht erst oder nicht nur
die Tür des Todes oder die Himmelstür.
Enge Türen sind mitten im Leben.
Immer wenn es um wichtige Entscheidungen geht, lasse ich zurück.
An einer Kreuzung kann ich nur in eine Richtung gehen.
Die anderen Richtungen fallen damit aus.
In Alltagssituationen kann ich nicht alles auf einmal.
Auch hier muss ich mich entscheiden: Was ist jetzt dran?
Wem schenke ich Zeit und Aufmerksamkeit?
Jeder Augenblick ist nur einmal zu vergeben.
Die Zeit nutzen heißt immer auch,
aus vielen Möglichkeiten nur eine realisieren zu können.
Leben wird von allein enger.
Mit den Jahren nimmt die Zahl der Möglichkeiten ab.
Vielleicht fragt mich darum dieses Evangelium auch:
Was möchtest Du am Ende des Lebens über Dein eigenes Leben sagen?
Welche Entscheidungen hast du getroffen, die schwer waren, eng,
aber doch den Weg in eine neue Weite ermöglicht haben?