C 22 2025 Lk 14, 1.7-14
Sie sind sich ihrer Sache sicher.
Sie denken sich: Da gehöre ich hin.
Und niemand scheint es infrage zu stellen.
Die anderen Gäste zumindest nicht.
Zu lange sind es alle so gewohnt.
Das ist halt so. Das wird schon so richtig sein.
Für Jesus ist es nicht halt so.
Das, was sich im Lauf der Zeit eingespielt hat,
die Plätze, die sich Menschen selbst zuweisen, hinterfragt er.
Oder sagt sogleich:
Überlass dem Gastgebenden, überlass Gott, wo er dich sieht.
Das ist eine wirklich Frohe Botschaft für alle,
die hinten stehen oder hinten abgestellt werden.
Das ist eine wirklich Frohe Botschaft für alle,
die im Schatten stehen oder in den Schatten hineingestellt worden sind:
Lad nicht die ein, die es dir wieder vergelten können;
denn das ist nur ein Tauschgeschäft!
Wer danach handelt, schreibt Zustände fest und zementiert sie –
die Reichen bleiben reich, die Armen bleiben arm!
Leben wäre einzig eine Aneinanderreihung
sich gegenseitig bedingender und hervorrufender Reaktionen;
das, was ist, bliebe in alle Ewigkeit!
Den Reichen würde es nur so passen,
und die Armen bekämen nie eine Chance.
Das ganze spielt sich im Haus eines führenden Pharisäers statt.
Es geht also nicht um Höflichkeit nach dem Motto: Bitte nach Ihnen.
Hier bei diesem Mahl versammeln sich religionskundige Menschen,
solche, von denen man annahm, sie sind besonders
und sie kennen sich besonders mit dem aus, was Gott will.
Das suggerierten viele von ihnen auch, aber Jesus lässt sich nicht blenden,
wenn er im Matthäusevangelium etwa sagt:
Sie ehren Gott mit den Lippen und mit vielen Äußerlichkeiten,
ihr Herz aber ist weit weg von ihm.
Wir wissen nicht,
wie damals die Geschichte im Haus des Pharisäers ausgegangen ist.
Wir wissen nicht,
wie die Leute auf die offene Kritik von Jesus reagiert haben
und ob der Gastgeber das nächste Mal die eingeladen hat,
die diesmal nur Zaungäste waren.
Aber wir wissen, dass es leichter erscheint,
sich nach den Regeln des führenden Pharisäers zu verhalten
als nach dem, was Jesus seinem Gastgeber hier nahelegt.
Natürlich müssen wir uns immer neu fragen,
wie offen unsere kirchliche Tisch- und Glaubensgemeinschaft ist,
wie niederschwellig das Dabeisein für Unerwartete,
für Menschen, die sonst nur wenig oder nichts mit uns teilen.
Natürlich müssen wir uns immer neu fragen,
ob uns nicht am meisten willkommen ist,
was uns in unserem Tun nicht in Frage stellt.
Milieukonform. Oder Bubble-, Blasendenken, wie wir heute sagen,
wenn wir nur Kontakte oder Begegnungen suchen,
die uns in unseren Ansichten bestätigen.
Jesus empfiehlt und lebt anderes, er ist nicht auf Bestätigung aus.
Seine Offenheit ist mehr als das,
was wir heute eine „Willkommenskultur“ nennen.
Er lebt für Menschen, die es eben nicht vergelten können, was er ihnen tut.
Und alles mischt sich neu.
In die Nähe des Gastgebers rückt und ist nicht zwingend,
wer meint, er sei da oder gehöre dahin.
Und selbst wenn die ganze Gesellschaft das mitmacht –
das Platz einnehmen der sich für wichtig und bedeutsam Haltenden,
im Kontext dieses Evangeliums gesprochen: Für Gott nah –
der Gastgeber, Gott selbst bestimmt darüber.
Wird mit diesem Evangelium nicht vor allem eins ausgedrückt:
Ihr alle aber seid Schwestern und Brüder?!