Fronleichnam 2025 
Gebt ihr ihnen zu essen.
Jesus traut den zwölf Aposteln etwas zu.
Er traut ihnen zu, dass sie viele zu sättigen vermögen.
Sie sollen nicht selbstgenügsam sein oder sich selbst feiern,
die entscheidende Herausforderung ist, den Hunger der anderen zu stillen.

Gebt ihr ihnen zu essen.
Was haben wir zu geben?
Was davon ist für andere essbar, genießbar, an- und aufnehmbar,
mit den Händen zu greifen?
Was ist das Nahrhafte an der Weise, wie wir unseren Glauben leben?
Was macht Menschen satt,
was von dem, was wir leben und geben können, nährt sie?
Kann es uns genügen,
unseren Glauben zu feiern im Wissen und in der Erfahrung,
dass es immer weniger Menschen anspricht?
Macht uns das wirklich satt?
Oder schauen wir nicht so genau hin, um den Mangel nicht wahrzunehmen,
den Mangel in der eigenen Glaubwürdigkeit,
den Mangel in der Bereitschaft, Glauben wirklich ins Heute zu übertragen,
so dass er mit Menschen spricht, die anders sind als wir?
Ich bin mir nicht sicher, ob wir – im Bild gesprochen –
die fünf Brote und die zwei Fische wirklich teilen,
denn wer teilt, riskiert Verlust, wer teilt, gibt ab,
wer teilt, lässt aus den Händen, wer teilt, bewahrt nicht,
wer teilt, geht von Veränderung aus.

So gesehen ist es großartig, wenn wir als Gemeinden Raum und Platz teilen:
eins unserer Pfarrheime zum Kindergarten wird,
eine unserer Kirchen erneut einem Kindergarten weicht
wie damals Herz-Jesu.
Wir geben aus den Händen und spüren, dass es von Angst begleitet ist,
von Verlustangst, von Trauer, mit der Frage: Wo bleiben wir?
Die Menschen damals haben erfahren dürfen:
Dieses Teilen nährt. Es hat die Vielen im Blick. Die Anderen.
Und deswegen muss niemand verloren gehen.
Das Loslassen ermöglicht – und es bleibt genug übrig.

Wir haben nicht mehr als… – sagen die Zwölf.
Wir haben für uns – soll das heißen.
Wenn wir es teilen, haben wir nichts mehr – so die Angst.
Darüber kann man nicht hinweg gehen.
So denken wir doch auch – und drücken wir es nicht aus, wenn wir sagen:
Jede, jeder ist sich selbst die bzw. der Nächste?
Ist es nicht notwendig, auch für sich selbst zu sorgen?
Vom Beten allein, vom Gottvertrauen wird kein Magen voll.

Wie recht hat Erich Fried in den uns bekannten Worten:
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Gegenstände vermehren sich nicht im Teilen.
Aber Glaube, Hoffnung und Liebe schon.
Das, was Menschen trägt, was ihnen Sinn gibt und die Kraft,
jeden Morgen aufzustehen,
das, was Menschen zuversichtlich sein und Vertrauen wagen lässt –
lichtvolle Erfahrungen und Freude miteinander zu teilen,
macht nicht ärmer sondern reicher.
So verhält es sich mit einem lyrischen Wort,
mit einem Lied, mit einer Melodie: Jemand gibt, und es trägt viele.

Damit beginnt Christentum und das macht es wesentlich aus.
Das Wort, das Jesus ist, das Brot, das Jesus ist,
wird im Teilen nicht geringer sondern größer.

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