C 20 2025 Lk 12,49-53
Unfrieden haben wir wirklich genug.
Setzt Jesus mit diesen Worten noch eins drauf?
Und dann auch noch bis in die Familien hinein?
Ein Gott, der Menschen voneinander trennt, gegeneinander sein lässt,
sie auf Grund ihres Glaubens aufeinander losgehen lässt,
ist das mit diesen Zeilen gemeint?
Davon hatten und haben wir genug.
Menschen haben sich viel zu lange bekämpft
und dies auch mit religiösen Motiven begründet;
Menschen haben sich lange genug die Würde genommen,
sich übereinander gestellt – und auch dies mit religiösen Motiven.
Was kann dann mit diesen Zeilen gemeint sein?

Mir kommt der hl. Franziskus in den Sinn.
Sein Vater hatte sein Leben im Grunde schon verplant.
Er sollte in seine Fußstapfen treten, sein Erbe übernehmen.
Franziskus sagt Nein.
Er gibt seinem Vater, dem reichen Tuchhändler, alles zurück,
steht nackt auf dem Marktplatz.
Er will sich nicht länger einlullen, nicht länger verkleiden lassen,
denn er hat etwas anderes für sich entdeckt,
jemand anderes: den Vater im Himmel.

Ähnliches erzählt die Legende von der hl. Barbara.
Sie fand zum christlichen Glauben,
der Vater hatte als reicher Kaufmann anderes mit ihr im Sinn,
und enthauptete sie.

Oder die hl. Agnes, von der die Legende erzählt,
dass sie ein junges Mädchen war, die ihre Freiheit liebte
und darauf vertraute, dass Gott die Welt gut geschaffen hat.
Doch dann kamen Männer, die Agnes besitzen wollten,
notfalls auch mit Gewalt.
Agnes nahm alle ihre Kraft zusammen und ließ es nicht zu.
Am Ende kam ein Mann, der zog sein Schwert, und Agnes war tot.

Allen drei Menschen ist eins gemeinsam: im Grunde sollten sie Objekt sein,
Besitz, andere wollten über sie bestimmen, sie beherrschen.
Oftmals waren, sind es Männer, die bestimmen wollen.
Nicht nur der Heiligenkalender könnte noch mehr solche Beispiele bringen,
wie oft mag sich Ähnliches in Familien abgespielt haben,
in denen Kinder dazu da waren, dem Leben der Eltern Sinn zu geben
und sie glücklich zu machen…
Wie oft spielt sich Ähnliches im Leben ab,
wenn Menschen nur wie Zahnrädchen ein System zu stützen haben,
wenn es niemanden interessiert, was in den einzelnen lebt,
sondern vor allem Anpassung gefragt ist…

In der Erfüllung solcher Erwartungen kann man reich und mächtig werden:
Franziskus hätte ebenfalls Tuchhändler werden können
mit Aussichten darauf, das Vermögen seines Vaters zu vervielfachen;
Barbara hätte ein sicheres und bequemes Leben führen können
mit dem Mann, den der Vater ihr ausgesucht hätte, umsorgt und behütet;
Agnes hätte das Spiel mitspielen können, Objekt der Männer zu sein,
sie hätten sie auf Händen getragen, einer Trophäe gleich.

„Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt,
bis sie vollzogen ist.“
Gleichgültig, wie wir an dieser Stelle Taufe verstehen,
vermutlich ist hier das Sterben Jesu gemeint,
deutlich wird: den eigenen Weg zu erkennen, sich abzugrenzen,
sich nicht beherrschen, besitzen, missbrauchen zu lassen,
kostet Kraft, bedeutet aber auch Sterben und Neugeburt.
Heraus kommt ein Mensch, der wirklich nur den einen Vater,
die eine Mutter im Himmel hat;
heraus kommt ein Mensch, der sich nicht einschüchtern lässt
von den Mächten und den mächtigen Menschen dieser Welt.

Heraus kommen Menschen, die Original sind, nicht Kopie,
heraus kommen Menschen, die nicht einfach wiederholen, was sie kennen und weitermachen mit dem, wo andere aufgehört haben,
sondern die Neues in die Welt bringen, die sich selbst in die Welt bringen.

 

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