2. Ostertag 2026
Auf dem Weg – geht so manches durch den Kopf…
Denn Gehen ist mehr als Fortbewegung.
Zwei sind unterwegs. Nicht einer allein.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt:
„Wenn du schnell gehen willst, dann geh allein.
Wenn du weit gehen willst, dann geh zusammen.“

Die beiden Emmausjünger gehen weit – vielleicht nicht,
was die Kilometer aber was das Leben betrifft.
Sie müssen raus, hinter sich lassen.
Die Trauer schnürt ihnen die Luft ab.
Dass es mit Jesus nicht weiter geht,
haben sie als grausame Erfahrung im Gepäck.

Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde –
sagen sie dem Fremden, der mit ihnen geht.
Enttäuschung.
Haben sie sich echt getäuscht in Jesus,
und seine Worte halten nicht, was sie zu versprechen vorgaben?
Haben sie zu große Hoffnungen gehegt,
und die Realität von Verleumdung, Gewalt und Töten hat sie wieder?
Das kennen wir doch, wenn Gutgläubigkeit entlarvt wird,
wenn Anfänge keine Chance haben,
wenn niedergemacht wird, was anderen kostbar ist und Leben bedeutet,
wenn jedes Mittel recht ist, um jemanden auszuschalten,
und mundtot zu machen, lahm zu legen,
wenn wir uns plötzlich wiederfinden in einer Welt,
in der Hinterlist und Gewalt das Sagen haben.

Wir können zum Gespräch der beiden Emmausjünger beitragen,
mitreden, unsere Trauer dazu legen;
Erfahrungen, die gegen Glauben sprechen,
von Situationen erzählen, die uns nachhaltig bedrücken.

Ich hätte gern gehört, was der Fremde den beiden auf dem Weg gesagt hat;
festgehalten hat der Evangelist ja mehr, was die Jünger sagen,
weniger, was denn nun die Darlegung über den Christus betrifft.
Aber es muss sie angesprochen haben.
Sie müssen gespürt haben, dass der Tod Jesu nicht gegen Jesus spricht,
nicht gegen seine Worte und all das, was sie bewirkt haben;
sondern dass sein Tod gegen all die spricht, die Jesus nicht ertragen haben,
die seine Rede von Gott und vom Leben zum Verstummen bringen wollten.
Sie müssen gespürt haben, dass dieser Verurteilte der Gerechte war
und die Urteil sprechenden die Hasserfüllten, die Niederträchtigen,
die in sich Gefangenen.
Sie müssen gespürt haben, dass Tod nicht gegen das Leben spricht,
Niederlage nicht gegen Größe,
dass lautes Geschrei Wahrheit nicht übertönen kann.

Vielleicht klärt sich auch auf dem Weg, dass Gott sich
aus dem vielen Schrecklichen, das geschieht und das Menschen widerfährt,
nicht heraus hält, sondern mittendrin ist auf der Seite der Scheiternden,
der Gedemütigten, der Missbrauchten, der Verletzten, der Bloßgestellten,
der Verspotteten.

Wie kostbar sind solche Wegstrecken, die uns verstehen helfen,
den Kopf frei werden lassen,
nicht nur Füße sondern auch Gedanken in Bewegung bringen.
Das ist mehr als von einem Ort zum anderen zu gelangen.
Das nährt wie gebrochenes Brot.
Da wird der Alltag verwandelt – das Leben selbst.

Die Welt ist die gleiche geblieben, die Spirale der Gewalt dreht sich weiter.
Aber sie ist entmachtet, so wie Jesus den Tod entmachtet hat.

 

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