C 17 2025 Gn 18,20-32
Was für eine Geschichte, in der Abraham mit Gott spricht oder ringt…
Sie folgt direkt auf die Lesung des letzten Sonntags,
in der es um die Gastfreundschaft des Abraham ging.

Hintergrund heute ist die Sündhaftigkeit der Städte Sodom und Gomorra.
Hier hungern die Armen, Kranke werden sich selbst überlassen,
Missbrauch und Korruption sind an der Tagesordnung.
Die Männer, die von Abraham bei den Eichen von Mamre aufgenommen
und bewirtet werden,
kehren später bei Abrahams Verwandten Lot ein
und werden ebenfalls von ihm gastfreundlich aufgenommen.
Die Einwohner Sodoms versammeln sich allerdings vor dem Haus
und fordern von Lot die Herausgabe seiner Gäste;
sie wollen sie demütigen, die Bibel sagt: Mit ihnen verkehren.
Die Geschichte erzählt, dass Lot statt der Gäste
seine beiden jungfräulichen Töchter herauszugeben anbietet.
Lot wollte das Gastrecht gegenüber den Fremden schützen
und hätte sogar seine Töchter dem wilden Mob geopfert,
um sie ruhig zu stellen.

Wir erfahren in diesen Geschichten
von einem fremden- und frauenfeindlichen Umfeld
in patriarchalen Machtverhältnissen.
Sexualisierte Gewalt gegen Fremde, Frauen und Schutzbedürftige
gehörte im männerdominanten Alltag der Städte Sodom und Gomorrha offensichtlich dazu.

Das ist der Zusammenhang, in dem dieser Dialog Abrahams mit Gott anhebt:
Vielleicht leben dort doch noch ein paar Gerechte,
sollen sie unter der Ungerechtigkeit der anderen leiden?
Abraham hebt immer wieder an, behutsam, hartnäckig
und handelt die Zahl der Gerechten auf zehn herunter.
Zehn Menschen markierten im damaligen Verständnis
die kleinste Gruppeneinheit im Volk.
Und Gott bestätigt ihn: Auch wenn es nur zehn Gerechte gibt,
sollen weder diese leiden und auch die Stadt nicht.
Abraham sieht später Rauch aus der Stadt Sodom aufsteigen und weiß:
Nichtmal zehn Gerechte gab es.

Gibt es überhaupt Gerechte?
Das Neue Testament wird später sagen: Ohne Sünde ist nur einer, Jesus.
Und um seinetwillen vernichtet Gott nicht sondern rettet.

Lohnend ist, auf Abrahams Verhalten zu schauen.
Davon können wir lernen.
Abraham bittet nicht für für sich selbst.
Er schweigt nicht. Er sieht nicht weg.
Er mischt sich ein. Er versucht das ihm mögliche.
Er will nicht, dass alle gleich behandelt werden,
dass das Versagen der vielen Ungerechten
den möglicherweise wenigen Gerechten schadet.
Und er ist wohlwollend, wenn er fragt: Ist wirklich die ganze Stadt schlecht?
Er glaubt an das Gute, auch wenn es verschwindend gering ist
und baut darauf, traut ihm Großes zu.
Abraham bleibt so höflich wie hartnäckig.
Sechs Mal hebt er an.
Er ringt damit, sein Anliegen so vorzutragen,
dass es auch Gehör finden kann. Er stellt sich auf sein Gegenüber ein.
Er versucht zu verhandeln, indem er seinen Verhandlungspartner, Gott,
sehr ernst nimmt.

Und wir lernen noch etwas:
Selbst wenn es nur wenige Gerechte gibt, hat es große Folgen
und kann Unheil fern halten.
Auch wenn so viele die Rechte der anderen mit Füßen treten lohnt es sich,
anders zu sein, an das Gute zu glauben.
In dieser Haltung fragt man beispielsweise nicht mehr, ob es was bringt,
wenn sich nur ein Land bemüht, klimaneutral zu werden.
Man tut es, weil man davon überzeugt ist –
und kann vielleicht die Erfahrung machen,
dass wenige viel bewirken können, dass es Unheil fern hält…

Die Geschichte, die wir mit Jesus verbinden, erzählt jedenfalls davon:
Der einzig Gerechte vermag das Heil für alle zu bringen,
bewahrt nicht nur eine Stadt vor Unheil, sondern alle,
wenn abfärben kann, woraus und wofür er gelebt hat.

 

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