Dreifaltigkeitssonntag 2026
Bei der Suche nach Bildern für die Dreifaltigkeit finden wir in der Regel,
wenn wir es objektiv beschreiben wollen,
zwei Männer und eine Taube abgebildet.
Alle drei stehen irgendwie nebeneinander –
als wären es voneinander getrennte Wesen.
Und jede dieser – wie wir sagen – drei göttlichen Personen
hat ihre eigene Auftritts- oder Wirkungszeit.
So ähnlich klingt es sogar in einem Lied:
Der Vater schuf die Welt, der Sohn hat uns erlöset, der Geist uns auserwählt.
Fast wie ein zeitliches Nacheinander.
Genau das meint Dreifaltigkeit nicht:
Kein Nebeneinander oder Nacheinander, sondern ein Ineinander.
Vielleicht helfen drei Worte, die das Ineinander erschließen:
Schöpfen, Tragen, Lieben.
Das Schöpfen bzw. Schaffen steht nicht nur am Anfang,
denn die Schöpfung ist noch nicht erschöpft.
Die Kreation, die Kreativität geht weiter.
Nicht umsonst singen wir vom Hl. Geist als Creator, als Schöpfergeist.
Wir schöpfen fortwährend aus den unendlichen Vorräten Gottes,
auch damit wird Schöpfung Gegenwart
und unser eigenes Leben schöpferisch.
Das Tragen, mitunter Ertragen gilt nicht nur für das Kreuz Jesu,
in dem er die Schuld der Welt auf sich lädt – und Welt und Leben trägt.
Gott trägt die Welt schon im Anfang,
und er erträgt sie spätestens nach der Sintflut,
indem er sagt: Nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Er trägt und erträgt uns auch heute:
Unser Kreuz ist und bleibt sein Kreuz.
Das Lieben:
Der Hl. Geist steht für die Inspiration, für den überspringenden Funken,
für die Leidenschaft, für die Liebe nicht weniger.
Gott trägt und erträgt die Welt nicht nur,
er liebt sie von Anfang an, bläst ihr fortwährend Lebensodem ein.
So sehr hat Gott die Welt geliebt… hörten wir eben im Evangelium.
In Gott, der die Liebe ist, gibt es nichts, was nicht aus Liebe geschieht.
Dreifaltigkeit bedeutet dann: Gott offenbart sich nicht teilweise.
Immer ist alles schon da:
Im Sohn sind der Vater und der Hl. Geist,
im Vater sind der Sohn und der Hl. Geist
und im Hl. Geist sind der Vater und der Sohn.
Und noch viel mehr.
Gott „ist Vater. Mehr sogar, Gott ist Mutter, die uns nicht weh tun möchte.“
Hat der unvergessene Papst Johannes Paul I. einmal gesagt.
Wer die Vorstellung von Gott als Mann hat oder als männlich,
ist nicht weit davon entfernt,
Frauen gering zu schätzen oder ungleich zu behandeln.
Dabei hält die Bibel Bilder bereit, die Gott weiblich beschreiben:
Die Trösterin: Im Buch Jesaja wird Gott als tröstende Mutter dargestellt,
die ihr Kind umsorgt (Jesaja 66,13).
Die Schöpferin: Ebenfalls im Buch Jesaja wird Gott
mit einer Gebärenden verglichen,
die unter Schmerzen neues Leben schafft. (Jesaja 42,14)
Die Beschützerin: In Buch Hosea beschützt Gott ihre Kinder wie eine Bärin, der die Jungen geraubt wurden. (Hosea 13,8)
Und Jesus sagt im Matthäusevangelium:
„Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln,
so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt.“
Unsere begrenzenden und festlegenden – mitunter ausschließenden – Umschreibungen und Bezeichnungen versagen.
Wo nicht die Weite weht, das Gegensätzliche in Liebe zusammenkommt,
ist kein Leben, nicht auf der Erde und nicht im Himmel.