Jahreswechsel 2025
Wir blicken zurück.
Wir denken nach.
Wir sortieren – wir lösen uns – wir bewahren.

Was ich aufbewahre soll nicht verloren gehen.
Es ist mir kostbar und wichtig.
Es hat Bedeutung für mich.
Ich mache es haltbar – oder erkenne an, dass es mich hält:
Eine Zeit lang – oder in dieser Zeit.
Es gehört zu mir,
ich möchte mich immer wieder daran erfreuen.

Maria bewahrte all die Worte der Hirten.
Sie gibt ihnen ein Zuhause in ihrem Herzen, sie konserviert sie.
Eine andere Übersetzung spricht statt von bewahren:
Maria bedachte all diese Worte.
Bedacht: Das bedeutet Bedenken – und es bedeutet:
ich gebe den Worten ein Dach, sie sollen in mir be-dacht sein,
sie sollen in mir wohnen.
Maria gibt den Worten ein Zuhause –
und umgekehrt geben die Worte Maria ein Zuhause.

Der 1981 verstorbene Theologe Fridolin Stier übersetzt diese Stelle
sehr nah am griechischen Urtext:
„Maria aber hielt all diese Worte verwahrt
und fügte sie in ihrem Herzen zusammen.“
Das kann nur das Herz: Zusammenfügen, was unsortiert scheint,
nur halb rüber kommt und der Ergänzung bedarf,
oder was in der ganzen Tragweite noch nicht absehbar ist,
womit unser Verstand nicht klar kommt.
Im Herzen findet vieles zusammen, es vereint das Fragmentarische,
das, wovon wir uns fragen, wie es zusammen gehen soll.
Das Herz macht ganz.

Maria läuft nicht los wie damals, als sie die Botschaft des Engels hörte –
da machte sie sich auf.
Jetzt klingt es eher nach Einkehr, wie ein Gang nach innen.
In diesem Abschnitt des Evangeliums ist sie nicht die große Verkündende,
die Magnifikat Singende;
eher ist sie die, der verkündigt wird, nämlich durch die Hirten,
indem sie erzählen, was sie gehört haben.
Maria ist ist die in sich Gekehrte, verweilend, still.
Sie sagt nichts. Sie schweigt. Sie braucht Zeit.

Das Weihnachtsevangelium kennt verschiedene Stimmen:
Den Befehl des Kaisers Augustus, das Verkündigen der Engel,
das begeisterte Erzählen der Hirten.
Mitten darin Maria, von der wir in dieser Nacht kein einziges Wort hören,
von Josef aus seinem ganzen Leben nicht.
Und seltsamerweise vermissen wir nicht etwaige Worte,
und das Schweigen der beiden stößt nicht auf.

Wir brauchen beides: Wort und Schweigen.
Hören und Verstummen.
Das, was unsere Zeit unter anderem kennzeichnet,
alles sofort zu kommentieren und zu bewerten,
findet einen Gegenentwurf – und braucht einen Gegenentwurf.

Vielleicht schwingt das mit im Brauchtum dieser Tage,
in denen ausklingen kann, in denen wir bedenken,
anderes tun als das ganze Jahr über,
Tage, in denen die Seele nachkommen und sich manches setzen kann.
Im Herzen zusammen fügen:
Fragmente des Jahres werden fruchtbar,
wenn sie einem sinnvollen Ganzen zugeordnet werden,
wenn unsere Zeit in Gottes Ewigkeit geborgen und aufgehoben ist.

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