50 Jahre St. Bonifatius Werries
Wir feiern.
Wir danken. Wir schauen zurück. Wir freuen uns.
Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass Kirchweihjubilären
nicht mehr so selbstverständlich sind wie vor Jahrzehnten.
Drei Kirchen haben wir in diesem Jahr in Hamm geschlossen.
Objektiv gesehen sagen wir: wir brauchen so viele nicht mehr.
Es wächst uns über den Kopf.
Es gibt keine kirchlichen Selbstverständlichkeiten mehr.
Wir sprechen von Veränderungsprozessen.

Aber uns gibt es (noch):
Menschen, die zusammenkommen möchten.
Menschen, die sich von Jesus ansprechen lassen.
Menschen, die Glauben und Hoffnungen miteinander teilen.
Auf herausfordernde Weise lernen wir, dass Kirche Menschen sind,
nicht Gebäude.
Auf herausfordernde Weise lernen wir, dass die Bibel Menschen sind,
nicht Buchstaben und Worte.
„Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest.
Wir sind Gottes Botschaft in Taten und Worten geschrieben“.
Hat einmal jemand gesagt.
Wenn die Eucharistietafeln nicht bis in unsere Wohnungen reichen,
haben sie keine Bedeutung.
Wenn der Einsatz für Schwache und Benachteiligte
nur sonntags in den Fürbitten auftaucht und nicht im alltäglichen Tun,
hat er keine Bedeutung.
„Verkündet das Evangelium, und wenn es nötig ist, dann auch mit Worten“
Die Bedeutung dieses Wortes vom hl. Franziskus,
das Papst Franziskus immer wieder in Erinnerung gerufen,
mehr sogar gelebt hat,
wird für mein Empfinden entscheidend sein für das Leben und Überleben
christlichen Glaubens.

Wenn wir uns hier in diesem Haus versammeln,
sehen wir die leuchtenden Fenster im Altarraum.
Kräftig. Vielfarbig. Ein Blickfang.
Wäre das nicht etwas, was auch uns gut zu Gesicht stünde?
Ein Blickfang zu sein in dem Sinn, dass Menschen an uns ablesen können,
dass Glauben tragen und das Angesicht der Erde erneuern kann?
Vielfarbig zu sein, in dem wir einander helfen, die je eigenen Lebensentwürfe, gläubig gesprochen: Gottesrufe, zu entfalten zur Bereicherung aller?
Kräftig zu sein, in dem wir uns neu auf-machen für Gott
und für die Visionen von Frieden und Versöhnung?

Wie arm wären wir, die Botschaft von Gott
oder die Fragen nach ihm würden nicht mehr gestellt
und es zählte nur noch, dass wir das wert sind, was wir bringen und leisten.
Wir haben eine Botschaft, um Gottes und um der Menschen willen.
Keine Botschaft, die uns abgrenzt von der übrigen Gesellschaft,
sondern eine, die zusammen führt, die verbindet, Impulse gibt,
Menschlichkeit lebt.
Jesus hat keine neue Religion gegründet.
Aber er hat zur Liebe aufgerufen, zur Versöhnung, zum Dienen.
Der Alltag ist der entscheidende Ort.
Die Bewegung Gottes ist die vom Himmel auf die Erde.

Kirchengebäude haben keinen Selbstzweck.
Sie sind so etwas wie Tankstellen,
die uns Kraft und Energie für die Straße geben.

Wir feiern.
Wir danken. Wir schauen zurück. Wir freuen uns.
Und gehen weiter.

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