C 23 2025 Lk 14, 25-33
Gering achten.
Die Mutter, den Vater, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern,
das eigene Leben.
Gering achten.
Ist das wirklich eine zumutbare Übersetzung?
Und vor allem: Ist das wirklich eine zumutbare Haltung?
Statt „gering achten“ übersetzen viele an dieser Stelle mit „hassen“.
Das ist ja noch ärger, möchte man meinen.
Unter „hassen“ verstehen wir,
dass man auf einen anderen Menschen richtig böse ist.
Angewidert.
Wer jemanden hasst, sieht im harmlosesten Fall
den gehassten Menschen am liebsten von hinten – oder besser noch:
Gar nicht.
Mitunter kann Hass aber auch bedeuten,
jemandem Schlechtes zu wünschen.
So verstanden hört Hass niemals auf.
Und solange wir hassen,
leben wir eine Form von Abhängigkeit von denjenigen, die wir hassen.
Sie bestimmen weiterhin unser Tun.
Sollte Jesus das meinen?
Vermutlich doch genau das Gegenteil.
Hassen und Lieben sind für uns zwei Seiten einer Medaille.
Wenn Liebe verbindet, scheidet oder löst Hass.
Wenn Liebe Gemeinschaft bewirkt, sorgt Hass für Trennung.
Möglicherweise hat Jesus hier am ehesten diese Wirkung vor Augen:
Lösen und Trennen. Unabhängig werden. Frei.
Gar nicht so einfach.
Wege des geringsten Widerstandes gehen sich leichter,
ich mache mein Handeln abhängig von mir wichtigen Bezugspersonen,
treffe ihnen zuliebe Entscheidungen.
Wie sagen wir: „Wer gut schmiert, der gut fährt.“
Das bringt Anerkennung, vermeidet Auseinandersetzungen.
Abhängigkeiten zu lösen hingegen schmerzt, kann Kreuz tragen bedeuten.
Bei Jesus war das so.
Er macht sein Leben und seine Entscheidungen
nicht abhängig von seiner Familie, die ihn bisweilen für verrückt hält;
er macht sein Leben und seine Entscheidungen
nicht abhängig von seinen Freunden, die ihn – wie Petrus –
zurückhalten wollen auf seinem Weg.
Er bricht deswegen nicht mit ihnen,
aber zerschneidet jeden Marionettenfaden.
Wir nennen es „Freiheit der Gotteskindschaft“.
Doch an Jesus sehen wir auch, wie schwer ein solcher Weg werden kann,
dass er von Einsamkeit begleitet ist, von Auseinandersetzung,
von Unverständnis, von Schmerzen.
Im Evangelium heißt es: „Wer nicht sein Kreuz trägt“.
Niemand ist dazu berechtigt, anderen Kreuze aufzuerlegen
oder die Kreuze zu vermehren, die jemand zu tragen hat.
Mitunter haben bestimmte Verständnisse von Religion Kreuze auferlegt
und Leiden von Menschen vermehrt statt gemindert bis in unsere Zeit hinein.
Wir müssen nicht künstlich Kreuze schaffen;
in jedem Leben kristallisiert sich heraus,
was das Kreuz des einzelnen Menschen ist.
Jesus unterwarf sich aus freiem Willen seinem Leiden
beten wir in einem Hochgebet.
Wir sagen damit: Er macht sich nicht aus dem Staub, er stellt sich,
er geht seinen Weg mit allen Konsequenzen.
Was ihm Herzensanliegen ist, wird ihm gleichzeitig zum Kreuz,
wohin seine ganze Liebe geht, wird ihm das größte Leiden.
Und genau darin wird er zum Bruder eines jeden Menschen,
der seinen Herzensanliegen und seiner Liebe folgt.