A 19 2026 Mt 14, 22-23
Wie ist es, wenn Jesus kommt?
Wir kennen die Gleichnisse vom sogenannten Endgericht,
die vom kommenden, vom wiederkommenden Jesus erzählen,
zum Beispiel, wie die Böcke von den Schafen geschieden werden.
Wir kennen die Geschichte von den klugen und den törichten Jungfrauen,
wie die vorbereiteten Jungfrauen Einlass in den Hochzeitssaal finden,
die anderen nicht.
Wir kennen die Erzählung von den Talenten,
wie die beiden Knechte, die das ihnen Gegebene eingesetzt haben,
hinzu bekommen, und der, der sich und sein Talent vergraben hat, nicht.
Diesen und anderen Gleichnissen gemeinsam ist,
dass sie eigentlich weniger vom Jüngsten Tag am Ende der Zeiten
erzählen möchten,
als vielmehr unser Leben all die Tage davor bestimmen wollen
und darum für die Jetzt Zeit Relevanz haben.
Kann man sagen, wie es ist, wenn Jesus kommt?
Heute hören wir:
Wenn Jesus kommt, beruhigt sich das Leben.
Das Boot auf dem See hinüber ans andere Ufer
können wir verstehen als unser Lebensschiffchen auf dem Meer der Zeit:
du startest, du legst los, du beginnst –
und vertraust darauf, dass die Zeit dich trägt.
Solange die Zeiten ruhig sind wie ein See in der Morgensonne, ist dem so, und deine Kräfte bringen dich voran.
Wir wissen und wir erfahren: Nie bleibt es nur Tag – Gegenwind kommt auf!
Das Leben, das Meer der Zeit bringt dich zwar hervor,
aber es meint dich persönlich nicht;
für die Geschichte der Zeit bist du bloß Fragment und Übergang,
Blatt im Wind.
Darum schenkt dir das Leben nicht den nötigen Rückenwind,
im Gegenteil: Es wirft dich hin und her,
es fragt nicht nach Glück oder Unglück. —
Und: Der Zahn der Zeit beginnt zu nagen und sich fest zu beißen;
du beginnst zu rudern und zu kämpfen,
um in der stürmischen Zeit nicht unterzugehen.
Du kämpfst gegen Krankheiten an, gegen Verluste, gegen Enttäuschungen,
Du kämpfst gegen eigene Fehler an und gegen Dinge, die du nicht magst.
Du kämpfst gegen den Tod an und gegen Menschen,
die sich wie die Herren der Welt benehmen.
Bedrohlich. Hin und her. Angst. Lebensangst.
Die Jünger haben Jesus erlebt,
wie er in dieser stürmischen Nacht auf dem See,
und auch sonst in seinem stürmischen Leben
über bedrohliche Wellen hinweggeht –
Jesus geht auf dem See, der von Wellen hin und her geworfen wird,
und den wir als Symbol für das Leben generell verstehen können.
Jesus ist in all dem nicht gefühllos, nicht Angst los, nicht abgeklärt;
sondern auch ringend, Blutstropfen schwitzend, Versuchung spürend.
Gesiegt hat allerdings keine Macht der Welt,
mag sie auch noch so „eine Welle machen“
sondern das Vertrauen in Gott war mächtiger.
Jesus schaut auf den ihm Halt Gebenden, er schaut auf Gott –
und in dieser Blickrichtung kann ihn die Welt,
das Meer der Zeit mit seinem gierigen Rachen nicht verschlingen
oder von seinem Weg abbringen.
Ähnliches erfährt Petrus in dieser und in einer anderen Nacht,
in der Nacht eines anderen Hinweggehens, der Gründonnerstagnacht:
je nachdem, worauf er schaut, wird sein Leben bestimmt.
Der Blick auf den heftigen Wind lässt ihn untergehen;
der Blick auf die Soldaten beim Verhör Jesu lässt ihn leugnen.
Der Blick auf Jesus zieht ihn aus dem Angstmachenden heraus.
Wie ist es, wenn Jesus kommt?
Das Evangelium spricht von der vierten Nachtwache,
das letzte Quartal der Nacht nach römischer Zeitrechnung.
Es ist der Übergang von der Nacht in den neuen Tag, wirklicher Über-Gang:
Das Meer der Zeit verliert alle Bodenlosigkeit
und trägt Dich Jesus entgegen.