A 5 2026
Im Einkauf kostet Salz nur ein paar Cent.
Dennoch ist es aus unserem Alltag nicht wegzudenken;
heute nicht und zur Zeit Jesu auch nicht.
Wie wertvoll es ist, wird daran deutlich,
dass früher Lohn in Form von Salz ausgezahlt wurde.
Das Wort Salär oder Sold erinnert daran.
Und Salz wurde mit Gold aufgewogen; Salz, das weiße Gold.

Ihr seid das Salz der Erde.
Das Wort ist darum ein Kompliment, eine Wertschätzung,
aber auch ein Auftrag.
Salz gibt Geschmack, es bewahrt vor Fäulnis, es ist kostbar.
Aber zu viel Salz ist ungenießbar und schädlich.
Man traut es sich kaum zu sagen, aber es bedeutet auch:
Zu viele Jünger, zu viel Zeugnis, zu viel Rede von Gott
würzt am Ende nicht sondern verdirbt.
Eine geringe Menge wirkt.
Jesus war kein Freund der bloßen Zahl.
Wenn die Menge zu groß wurde,
wenn die Leute nur wegen der Brotvermehrung kamen, entzog er sich.
Er suchte nicht die Quote, sondern die Tiefe.

Nur wenig Salz, nur wenig Jüngerinnen und Jünger:
man könnte meinen, das klingt nach Mangel, nach Schwäche,
fast nach dem Ende.
Doch dieses Evangelium sagt: Gott rechnet anders.
Den wenigen und dem wenigen traut er eine große Wirkung zu.

Salz wirkt nur, indem es sich auflöst, nicht im Salzfass bleibt.
Es geht nicht um Bewahren sondern um Aufgehen.
Bewahrtes Salz ist verlorenes Salz. Salz sein ist Wirksamkeit oder Dienst.
Salz sehen wir nicht mehr, wenn es sich auflöst.
Jesus ruft oder sendet die Jünger nicht einer großen Sichtbarkeit wegen
oder zu einem glänzenden Auftritt.
Auflösen ist kein Untergang, es ist die Vollendung.

Ihr seid das Salz der Erde.
Unentbehrlich, kostbar – aber sehr in Maßen.
Sonst kippt es.

Wenn aber das Salz seinen Geschmack verliert…
Salz bleibt über Jahrmillionen hinweg salzig.
Was ist dann mit dem Wort gemeint?
Im griechischen Originaltext steht ein anderes Wort für das,
was mit „Geschmack verlieren“ übersetzt wird, nämlich „töricht“.
Töricht bedeutet unklug, unvernünftig, einfältig, schwachsinnig.
Vielleicht will Jesus sagen:
Bleib bei dem, was dich ausmacht,
was dir wesentlich ist, was dein ureigenstes ist.
Töricht, unvernünftig wäre es, das zu verbergen, das zurückzuhalten.
Es wäre sogar dein Ende.
Für diese Deutung spricht das Wort vom entzündeten Licht,
das niemand unter ein Gefäß stellt.
Das Licht stellt schon deshalb niemand unter ein Gefäß,
weil es als Flamme ohne Sauerstoff eingehen würde.

Ihr seid das Salz der Erde – ihr seid das Licht der Welt:
Ohne Menschen, die glauben, fehlt Licht in der Welt.
Ohne Menschen, die wie das Salz würzen oder Geschmacksverstärker sind,
ist alles fad.

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