Gründonnerstag 2026
Momentaufnahmen halten manchmal mehr fest als einen Moment.
Sie können wie ein Porträt Charakter ausdrücken.
Das Wesen einer Person wird sichtbar, nicht nur ihre Oberfläche.
Das muss nicht unbedingt ein schönes Bild sein,
es geht nicht durch einen Hochglanzfilter –
stattdessen erzählt es Geschichte.
Ein KI Bild ist vielleicht für den ersten Blick ein Hingucker,
ein echtes Porträt bleibt im Herzen.
Es zeigt weniger, wie jemand aussieht, sondern wie jemand ist.
Es idealisiert nicht, es spiegelt wider.
Es hat Seele.
Wer ein gutes Porträt erstellen will,
zwingt den Menschen nicht in eine bestimmte Pose.
Es geht nicht um das ewig gleiche Setting.
Stattdessen kommt es darauf an, einen Raum zu eröffnen,
wo jemand loslassen und Masken absetzen kann,
wo nach außen dringt, was im Menschen ist.
Der Gründonnerstag, insbesondere das Evangelium von der Fußwaschung,
ist als Momentaufnahme ein echtes Porträt.
In diesem Bild ist ungefiltert bewahrt, wie Jesus ist.
Im Abendmahlssaal und bei vielen anderen Gelegenheiten
war offensichtlich der Raum, wo das Innerste Jesu erlebbar,
wo sichtbar wurde, was in ihm ist.
Die Jünger allerdings hatten ein anderes Setting vor Augen:
Der Herr, also Jesus, lässt sich die Füße waschen und bedienen.
Der Meister steht oben.
Dieses ewig gleiche Setting durchbricht Jesus.
Fußwaschung ist kein hübsches Ritual,
sondern die Arbeit derer, die ganz unten standen.
Jesus zeigt, wo er sich sieht und wie er sich versteht.
Petrus scheint es – ebenfalls in einem Moment – zu erahnen,
dass hier ein ganzes Weltbild zerbricht,
und dass man mit Jesus nicht groß raus kommt.
Die großen Einzüge bei feierlichen Gottesdiensten –
sind sie nicht das krasse Gegenbild zum Jesus der Fußwaschung?
Gründonnerstag sehen wir den, der sein Gewand ablegt,
nicht den, der sich eine Mitra aufsetzen lässt
oder mit Titeln dekoriert ist…
Jesus liegt es fern, dafür bewundert und beweihräuchert zu werden.
Bewundern schafft immer Distanz.
Eine stehende Ovation ist nicht sein Ziel.
Er spricht davon, ein Beispiel zu geben.
Beispiele sind Gebrauchsanweisungen.
Es ihm gleich zu tun ist die einzige Form wahrer Verehrung.
Füße zeigen wir nicht so gern.
Der beste Nagellack überdeckt keine Hornhaut, keine Narben und Risse.
Füße sind intime Körperteile.
Jemandem die Füße zu waschen, bedeutet,
ihn dort zu berühren, wo er ungeschützt ist, wo er nicht glänzt.
Die Momentaufnahme des Jesus des Gründonnerstags,
diese Wesensoffenbarung, lädt mich ein,
mich von Jesus berühren zu lassen wie ich bin.
Ich muss mich nicht verstellen, nicht aufhübschen, nicht schminken,
nicht rein waschen.
Und wir sehen Jesus, der es ebenso wenig tut.
Der sich zeigt wie er ist, nicht in die Rolle des Dienenden schlüpft,
sondern Dienender ist.
Größer kann der Unterschied zwischen dem Text und der Liturgie in meiner Gemeinde nicht sein . Jesus, der sich herablässt und den niedrigsten Dienst an den Jüngern vollzieht, gibt ein Beispiel, dem wir folgen sollen . Wo und wie wird das Beispiel gelebt? Ihr da oben wir vor den Stufen des Altars hören eine Predigt , in der uns gesagt wird , wie wir das Testament Jesu leben sollen . Fusswaschung , sich solidarisieren mit den Menschen die nackt sind , alles verloren haben , mit Kindern denen ein Leben in Armut ohne Bildung bevorsteht , usw. Kam nicht vor . Kirche – meine Kirche – muss ja sagen zur Fusswaschung ! Jeder und jede muss sich mit seinen Fähigkeiten einsetzen im Alltag bei den Menschen die am Rande leben . Wir sind alle Christi Schwestern und Brüder. Gebe Gott uns die Kraft und den Willen nach dem Beispiel Jesu zu leben . Auch ich brauche Gottes Geist immer wieder dazu .