A 21 2026 Mt 16,13-20
In unserer Sprache
wird etwas Wesentliches in diesem Evangelium nicht hörbar.
Wenn Jesus zu Petrus sagt:
Du bist der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen –
klingt es so, als sei von ein und demselben Felsen die Rede.

Im griechischen Urtext
aber auch in der aramäischen Übersetzung steht es anders.
Da nennt Jesus den Simon – wie wir es kennen – „petros“,
das meint einen einzelnen Stein oder Felsbrocken.
Die Grammatik ist männlich, der Name Petrus folgt daraus.
Aber der Felsen, von dem Jesus sagt, darauf baue er seine Kirche,
ist in der griechischen Sprache „petra“, weiblich,
und steht für ein massives unerschütterliches Felsgestein,
ein gewachsener Felsgrund, auf dem man sicher baut.

Petros und Petra: zwei verschiedene Wörter mit völlig anderer Bedeutung, die ein Spannungsfeld eröffnen,
in unserer Sprache unzulänglich wieder gegeben mit „Fels“ und „Felsen“.
Petros oder Petrus ist der Stein, den man in die Hand nehmen kann,
vielseitig einsetzbar, ein Baustein.
Begeistert und verunsichert – je nach Umgebung.
Fest überzeugt von Jesus – und dann will er ihn von seinem Weg abbringen.
Im Abendmahlsaal sein Bekenntnis – kurze Zeit später seine Verleugnung.
Das ist kein Felsgrund, eher ein rollender Stein,
den Angst oder Zweifel sehr schnell ins Wanken bringen.

Petra ist etwas anderes:
Kein loser Brocken, sondern der gewachsene Mutterfels, tief verwurzelt.
Eben nicht auf Petrus baut Jesus seine Kirche, nicht auf den Kiesel,
sondern auf den riesigen Mutterfelsen, auf Petra.
Fundament der Kirche ist kein Mensch, auch kein Amt, keine Institution.
Wir sagen: Der Grundstein ist Christus selbst,
die göttliche Wahrheit – kein Mann und kein Mensch.

Schon im Ersten Testament sprudelte der Felsen
als Wasserquelle für die Israeliten auf ihrem Weg.
Jesus greift das Bild auf und bezieht es auf sich, wenn er sagt:
„Wer durstig ist, komme zu mir und trinke.“
Ein mütterliches Bild, weiblich in der Grammatik, universell in der Einladung.
Die Pforten der Unterwelt werden diesen sprudelnden Felsquell
nicht überwältigen.
Mögen Menschen noch so fehlbar sein, wankend, untreu,
Gottes Liebe gründet dennoch unfehlbar, fest und treu in der Welt.
Petrus hat – mit den Worten des hl. Augustinus gesprochen –
den Namen von Petra, nicht umgekehrt;
genauso wie Christen von Christus ihren Namen haben.

Jesus knüpft im Evangelium an das Bekenntnis des Petrus an,
nicht an seine Biologie.
Nicht umsonst fragt er die mit ihm unterwegs sind:
Für wen halten die Leute den Menschensohn?
Innere Haltung und Überzeugung zählen, nicht Fleisch und Blut,
nicht Herkunft oder äußere Daten oder Abstammung,
einzig die persönliche Beziehung.

Petrus selbst greift das Bild von Felsen und von Steinen
in seinem ersten Brief auf.
Er nennt Christus den Eckstein, Fundament.
und sieht sich nicht als den einzigen oder besonderen Felsen oder Baustein.
Alle Menschen, die an Jesus glauben – einschließlich Petrus selbst –,
sind Bausteine, die darauf aufgebaut werden.

Kirche als Glaubensgemeinschaft steht nicht felsenfest durch die Menschen,
sondern durch das Fundament, auf dem Menschen stehen und bauen.
Selbst Fehlbauten bringen das Fundament nicht ins Wanken,
Bauweisen verändern sich.
Der Grund, die Gründung bleibt.

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