4. Sonntag der Osterzeit A 2026
„Nomen est omen“:
Dieser Ausspruch stammt vom römischen Komödiendichter Plautus,
der vermutlich 250–184 vor Christus lebte.
Die Redewendung drückt aus,
dass der Name einer Person oder Sache
deren Eigenschaften treffend kennzeichnet oder Programm ist.
Nachnamen leiteten sich oftmals aus den jeweiligen Berufen ab.
Namen waren mehr als Rufnamen.

Das kennen wir auch bei der Wahl von Vornamen –
zumindest aus der Vergangenheit:
Schon in der Familie gebräuchliche Namen wurden weiter gegeben,
ein Sohn trägt etwa den Namen seines Vaters.

In diesem Sinn sind an Namen bzw. an Namenstragende
Erwartungen geknüpft:
Bekanntes möge fortgeführt werden,
Eltern in den Kindern weiter leben;
Vorstellungen und Wünsche sollen sie erfüllen.
Namen können sich wie zu enge Kleider anfühlen.
Von außen wird etwas an Menschen heran getragen.
Für manche passt es, sie nehmen Spuren auf,
für andere nicht, sie gehen eigene oder neue Wege –
und müssen sich regelrecht frei kämpfen.

Erwartungen anderer Menschen nicht zu erfüllen,
weil sie übergestülpt wären oder dem eigenen Erleben völlig fremd,
kann zu Brüchen führen.

Jesus ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen.
Beim Hören dieses Wortes denke ich:
Wenn Jesus ruft, dann meint er nicht das Bild,
das die Gesellschaft von uns hat.
Wenn Gott ruft, ist das ein Akt der Anerkennung:
„Ich sehe dich, wie du wirklich bist. Und genau so nenne ich dich.“
Ich nenne dich nicht nach dem, was Menschen an dich herantragen,
ich nenne dich nach dem, was in dir lebt.
Das ist radikal persönlich.
Dein Name drückt dich aus und nicht das, was andere von dir erwarten
oder wie sie dich sehen.
Jesus ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen:
Vielfalt findet Ausdruck; keins ist wie das andere.

Der Hirt führt hinaus:
Aus dem Stall auf die Weide, aus der Enge in die Weite,
aus der Dunkelheit ins Licht,
aus den Räumen, die einschränken, in eine Bewegungsfreiheit.

Jedes Schaf, jeder Mensch ist gesehen, wahr genommen –
niemand muss sich verstellen,
jemand anderes sein, eine Rolle spielen.
Niemand muss etwas einüben, auftreten, sich Verstellen.
Am Gatter der Weide Gottes kann zurückbleiben,
was Menschen tun, um anderen zu gefallen, um nicht verstoßen zu werden,
um dazu zu gehören;
zurückbleiben können die Etiketten, die andere gern aufkleben.
Gott nutzt nur den Namen, der dein wahres Ich meint.

 

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