2. Ostersonntag A, 2026, Joh 20, 19-31
Verschlossen.
Ich mache dicht, lasse niemanden an mich heran.
Ich brauche Schutz.
Ich trau mich nicht heraus.
Ich bleibe in Deckung.
Ich schließe ab, ich schließe mich ab.
Augen zu.
Manchmal trägt der Körper dazu bei: Kopfschmerzen, Müdigkeit.
Erschöpfung. Niedergeschlagenheit.
Ich bin unerreichbar – oder möchte unerreichbar sein.
Am Ostertag fällt Jesus bei den Jüngern nicht mit der Tür ins Haus.
Er verschafft sich nicht gewaltsam Zutritt.
Aber er wartet auch nicht,
bis die Jünger mutig genug sind, die Tür von innen zu öffnen.
Wann wäre dieser Zeitpunkt auch gekommen?
Wenn genug Gras über die Sache gewachsen wäre?
Die Angst der Jünger und ihre Niedergeschlagenheit sind zu groß.
Wir kennen das aus eigenen Erlebnissen,
deren Folgen wir aus eigener Kraft nicht lösen oder bewältigen können.
Die Jünger hinter verschlossenen Türen
erfahren Jesus gerade in dieser Situation präsent.
Er geht mitten hinein.
So hatten sie ihn immer erlebt:
Dem Dunkel nicht ausweichend, der Angst nicht, dem Leiden nicht.
So hatten sie ihn immer erlebt: Nicht gepanzert, nicht unberührbar,
nicht teilnahmslos.
Und genauso zeigt er sich erneut an diesem Abend:
Mit seinen eigenen Wunden und Verletzungen.
Die Wunden bezeugen: Der ist der Herr, der Bleibende, der Lebendige,
der sich ungeschönt zeigt,
der seine Wunden und Verletzungen „arbeiten“ lässt.
Wunden verbinden.
Wir fühlen uns mit eigenen Verletzungen besser aufgehoben bei Menschen,
die mindestens Ähnliches erlitten haben.
Wunden wirken.
Wir finden Mut, eigene Verletzungen nicht zu übergehen
und nicht länger verbergen zu müssen.
Auferstehungsglaube, der davon ausgeht,
das ewige Leben trage nicht mehr die Signatur des bisher Erlebten,
das ewige Leben sei ein vom zeitlichen Leben unabhängiges Danach
hat in dieser Geschichte keinen Platz.
Wunden und Zweifel haben gerade in den Ostergeschichten großen Raum.
Es sind ehrliche Geschichten, in denen niemand sich verstecken muss
oder sich mit all dem, was in ihm ist, nicht zeigen darf.
Gerade weil die Ostergeschichten so nicht sind,
gerade weil sie so nah am Leben sind,
haben sie heute noch Kraft für uns und rühren uns an.
Glaube lebt weniger von sichtbaren oder von greifbaren Beweisen,
als vom Angesprochen werden.
Maria von Magdala wird angesprochen,
die Emmausjünger werden angesprochen,
ähnlich wie die Versammelten am Osterabend:
Der auferstandene Christus gibt sich selbst zu erkennen.
So gesehen erscheint der Glaube an die Auferstehung
nicht als Akt menschlicher Anstrengung,
sondern als eine Reaktion auf das, was Menschen erleben.
Glauben kann man nicht herbei reden, er ist Antwort.
Ostern bedeutet: Christus ist mitten im Leben.