A 15 2026 Mt 13,1-9
„Wer Ohren hat, der höre.“
Ganz Ohr sein – ist nicht selbstverständlich.
Ganz Ohr sein – das ist eine ziemliche Anstrengung.

Wer Ohren hat, der höre.
Ich höre vom Sämann –
es hört sich gut an – es klingt nach bäuerlicher Idylle: Säen, Ernten.

Ich höre genauer hin:
Der Samen fällt auf unterschiedlichem Boden;
von den vier Teilen fällt nur ein Teil auf gutem Boden.
Ist das nicht verschwenderisch, so mit dem Samen umzugehen?
Ist das rationell?
Seltsamerweise nennt Jesus den guten Boden auch erst an vierter Stelle –
ein Satz für die aufgehende Saat,
drei Sätze für den Misserfolg.
Welch ein Verhältnis…
So kann man keine Geschäfte machen!

Ich könnte mir vorstellen,
Jesus erzählt dieses Gleichnis in eine Frage hinein,
die damals wie heute Gültigkeit besitzt.
Wohin säen wir als Glaubende? Wie eng ziehen wir unseren Radius?
Uns ist klar,
dass der Sämann des Gotteswortes Christus selbst ist –
und er sät nicht nur minimal auf engstem Raum;
er hält sich nicht nur da auf,
wo sein Säen hundertprozentige Frucht verspricht.
Er bearbeitet kein Elitefeld – er hat Menschen im Blick.
Menschen sind in den unterschiedlichsten Phasen ihres Lebens
mal hart wie ein fest getrampelter Weg,
mal steinig wie Felsboden,
mal wie mit Dornen verwachsen
und – auch mal –  fruchtbarer Boden.
Nicht alles kommt zu jeder Zeit in gleicher Weise bei uns an!
Unser inneres Ackerfeld hat besonders fruchtbare Zeiten,
und es hat Zeiten, wo nichts in uns hinein – schon gar nicht tief hinein geht.

Jesus nimmt das in kauf.
Er ist kein Perfektionist,
er weiß darum, dass nicht jedes Wort die Aufnahme findet,
damit es Wurzeln schlagen und aufgehen kann.
Dennoch baut er keine Grenzen auf,
zieht keine Mauern, errichtet keine Barrieren,
damit ja keine Saat verloren geht –
im Gegenteil: Er verschwendet sich.

Verschwenden ist,
wenn etwas zu großzügig eingesetzt,
wenn etwas viel besser und effektiver genutzt werden könnte.
Dem Erzähler dieses Gleichnisses ist ein solcher Gedankengang fremd.

Vielleicht begegnet uns darum hier noch
ein ganz anderer Beweggrund für die Menschwerdung Gottes.
In den Vordergrund gerückt haben wir eine ziemlich verzweckte Sicht,
vereinfacht so auf den Punkt gebracht:
Gott wird Mensch, um möglichst viele Menschen zu retten.
In dieser Sicht geht es um Erfolg, sogar um ein Geschäft:
es geht um den Kaufpreis der Erlösung,
wie wir – erschreckender Weise – sagen. —
Im Gleichnis vom Sämann findet sich eine andere Sichtweise:
Gott wird Mensch aus reiner Lust am Geben;
Er will sich selbst aussäen, Gottes Liebe quillt einfach über
und verschwendet sich.

Und liegt es nicht wesentlich an uns,
was nun wirklich verschwendet ist und daneben geht und was nicht?
Die maßlose Liebe Gottes begegnet uns in diesem Gleichnis,
und sie trifft auf unsere anfällige und fehlerhafte menschlichen Natur.

In jedem Fall bleibt Gott diesem Bild zufolge verschwenderisch.

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