A 19 2020 Mt 14, 22-33
Fürchtet euch nicht.
Häufig begegnet uns in der Bibel dieses Wort.
Bei der Verkündigung der Weihnachtsbotschaft durch die Engel,
Ostern, immer wieder.
Fürchtet euch nicht.
Wir hören, wir lesen, wie dieses Wort etwas bewirkt:
Menschen öffnen sich, wagen sich heraus, es geht weiter:
Die Hirten bekommen Mut und Kraft für ihren Weg,
die Jünger am Ostertag schöpfen neue Zuversicht.
Und Petrus verlässt das Boot.

Fürchtet euch nicht, das ist nicht in eine belanglose Situation gesprochen,
sondern in eine auf Leben und Tod.
Es steht alles auf dem Spiel.
Nichts scheint mehr sicher. Alles um einen herum schwankt,
so, wie es die Jünger auf der stürmischen See erleben.
Die Gegenwart, die Zukunft erscheint gespenstig, düster,
man weiß nicht, wie es ausgeht.

Ähnliches erleben Menschen immer wieder,
sie müssen dafür nicht bei Nacht auf der See sein:
Krankheit lässt alles aus dem Ruder laufen,
Schicksalsschläge, der Tod.
Globale Anforderungen und Herausforderungen
wie Klimawandel und Corona-Pandemie
machen weltweit das Lebensmeer stürmisch.

Fürchtet euch nicht.
Ist das nicht etwas einfach? Verharmlosend?
Eine Sicherheit vorgebend, die niemand geben kann?
Im Evangelium heute macht dieses Wort das Leben des Petrus
sogar noch ein Stück unsicherer, es wird noch bedrohter.
Als er aus dem Boot steigt, geht es erst richtig los mit der Angst.
Noch mehr wird er sich seiner unsicheren Lage bewusst.

Furcht überwindet man eben nicht auf Knopfdruck, auf Kommando,
schon gar nicht,
wenn sie begründet und die Ursache der Furcht nicht behoben ist:
das ist eine Erfahrung, die wir teilen können.
Und eine andere Erfahrung ist:
die Furcht kann so stark werden, dass sie uns herunterzuziehen droht,
handlungsunfähig macht, lähmt, wir wirklich daran zugrunde gehen,
den Boden unter den Füßen verlieren.

Petrus erlebt Jesus als Halt gebend.
Er erlebt, dass sich in dem Augenblick alles ändert,
wo er sich mehr von der Hand Jesu als von der Furcht ergreifen lässt.
Wenn Menschen nichts Halt Gebendes haben, versinken sie.
Wo wir jemanden als Halt gebend erleben, verändert sich alles,
beruhigt sich unser Leben.
„Der Wind legt sich” – sagt das Evangelium
in der angebotenen Bildersprache vom Sturm auf dem See.

So sehr die Jünger auch mit Jesus unterwegs sind,
so sehr sind sie doch auch herausgefordert, Ihn als Halt zu erfahren.
Glaube ist immer auch ein Ringen,
er bewahrt nicht vor Stürmen und Bedrohlichem,
er lässt uns nicht minder an Grenzen kommen
und nahe am Untergang sein.

Jesus streckt die Hand aus und ergreift den Petrus.
Viele haben das so erfahren,
dass Gottes Hand sie in all ihren Lebensstürmen hält
und sich dadurch fester tragfähiger Boden unter die Füße schiebt.

Das Wort, die Einladung: Fürchtet euch nicht
ändert nichts an Menschen treffenden Gefahren,
aber es bewegt dazu, auf das Halt Gebende,
auf den Halt Gebenden zu schauen.

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