1. Fastensonntag 2019 zur Kleidinstallation
    Wir ziehen uns an, also: wir ziehen uns etwas an:
    um nicht frieren zu müssen, um uns zu schützen, um uns zu schmücken…
    Mit dem rein Funktionalen der Kleidung begnügen wir uns nicht,
    oftmals dient sie uns als Sprachmittel ohne Worte:
    es gibt das Trauerkleid und das bunte Kleid,
    die Rüschen und den Hut, Glitzer und Grau.
    Unsere Stimmungen finden Ausdruck, ebenso auch Absichten.
    Wer zur Beerdigung geht, kleidet sich dementsprechend,
    ebenso, wer zum Tanzen geht.
    Wer eine aufregende Nacht erleben möchte, sucht sich bewusst aus,
    was er anzieht oder was er nicht anzieht.

Kinder werden angezogen –
andere suchen unsere ersten Kleidungsstücke aus,
oftmals auch unsere letzten.
Aber dazwischen schauen wir, was zu uns passt
oder wie wir uns passend machen möchten
in Abhängigkeit von Trends, von dem, was in ist,
und was man derzeit so trägt:
eine Mischung aus dem, was das Portemonnaie hergibt,
was andere und was wir selbst schön finden.
Kleider verleihen Zugehörigkeit:
das kennen wir vom Ordensgewand, vom Bischofskleid, vom Arztkittel:
die Berufskleidung.
Es gibt den Dresscode für bestimmte Feiern und im Geschäftsleben.
Je nachdem, was wir tragen, geben und benehmen wir uns anders.
Und manchmal machen wir uns mit unserer Kleidung etwas vor,
wir verkleiden uns, wir täuschen, wir schlüpfen in Rollen.
Betrügern gelingt es immer wieder,
allein durch ihre Kleidung etwas vorzutäuschen, was sie nicht sind.

All die verschiedenen Deutungen und Bedeutungen unserer Kleidung
vermögen über eins nicht hinweg zu täuschen:
im Grunde sind wir nackt.
Und wir lernen im Lauf unseres Lebens,
dass wir manches zu verbergen oder herauszuputzen haben
oder meinen, manches verbergen oder verschönern zu müssen.
Wir entscheiden selbst, wem wir was zumuten, offenbaren, zeigen,
zumindest so lange, wie wir dazu in der Lage sind.

Das Matthäusevangelium überliefert uns als ein Werk der Barmherzigkeit
Nackte zu bekleiden.
Dabei geht es nicht nur um die Textilien, die wir tragen;
es geht um eine Form des Umgangs, die die Blößen des anderen schützt,
seine Schwachstellen, seine verletzliche Seite,
das, was ihn frieren lässt oder wofür er sich schämt.
Und damit geht es um Würde, um Schutz,
um den Mantel der Barmherzigkeit,
um den Schutzraum, den Menschen brauchen, um sie selbst sein zu können.

Bei der Taufe, bei der Priesterweihe sowie beim Ablegen der Ordensgelübde
kennen wir den Ritus des Einkleidens:
der Getaufte bekommt das Taufkleid hingehalten und angezogen.
Dabei gibt es das großartige Deutungswort,
dass der Getaufte Christus wie ein Gewand angezogen hat.
Soll heißen:
Wir glauben an den Gott, dessen liebevoller Augenblick
uns bedeckt und nicht entblößt.
Wir glauben an den Gott, der unsere Schwachstellen
nicht gnadenlos ins Licht rückt, sondern sorgsam umhüllt.
Wir glauben an den Gott, vor dem wir uns geben und zeigen können,
wie wir sind, bei dem wir uns nicht herausputzen müssen,
vor dem wir nichts verborgen halten müssen.
Christus wie ein Gewand anziehen bedeutet,
ganz von Seiner Liebe umhüllt und in ihr geborgen zu sein.
Seine Gegenwart, Seine Liebe ist – wie die Kleidung –
das, was uns unmittelbar umgibt.

Wir werden von Gott angezogen,
Er stattet uns aus, gibt Würde, Seine Liebe macht schön,
macht uns zu Persönlichkeiten,
zu dem, was und wer und wie wir sein können.

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