Es ist 30 Jahre her. Eugen Drewermann hält seine Vorlesung über die „Kleriker“. Der Vorlesungsraum ist voll. Viele hoffen, das sich was tut. Ein Dialog zustande kommt. Die Bischöfe zuhören. Im Hintergrund braut sich etwas ganz anderes zusammen. Der Entzug der Predigterlaubnis, des Lehrauftrages ist die Folge. Aufgehängt an so seltsamen Fragen wie die Jungfrauengeburt. Eine Frage, in der auch damals schon viele Exegeten das gleiche sagten wie Drewermann, nur nicht in einer Weise, dass es vielen Menschen etwas zu sagen hatte. Seitdem wird dieser Mann in meinem Erzbistum totgeschwiegen. Die Bonifatius Buchhandlung durfte seine Bücher nicht mehr ins Schaufenster, hernach nicht mehr ins Regal stellen.
30 Jahre später. Bischof Wilmer nennt Drewermann einen verkannten Propheten der Kirche. Und legt zu: Hätte man vor 30 Jahren sich mit seinem Kleriker Buch beschäftigt, wäre das Ausmaß der Katastrophe um den sexuellen Missbrauch durch Priester geringer. Mein Bistum schweigt weiter. Wer trägt die Verantwortung? Ist das „die Kirche“ oder ein Bischof? Ein Kardinal?
In den Zukunftsentwicklungen der Kirche wird vom Dialog gesprochen. Letztlich heißt es, die Gläubigen sollen den Karren Kirche aus den Dreck ziehen, in den ihn klerikaler Machtmissbrauch und das Mundtotmachen von Theologen geführt haben. Dialog? Die Bistümer wussten es zu schätzen, das Recollectionshaus in Münsterschwarzach zu haben. Dort schickten und schicken sie gern Priester hin mit Burnout Erfahrungen, Zölibatsschwierigkeiten. Dort wussten und wissen sie sie gut aufgehoben. Nach wie vor gilt: ein Priester, der sich verliebt, der das zugibt, der zugibt, seine Sexualität zu leben, muss gehen. Also wird es nicht zugegeben, beim Bischof nicht, im Recollectionshaus schon. Geschützt. Gut aufgehoben. Der ehemalige Leiter, Wunibald Müller, reflektiert seine Arbeit, bezieht Stellung, fordert jetzt wie schon früher ein Ende des Zölibates, eine neue Sichtweise auf die Homosexualität. Es geschieht nichts. Es verpufft. Es findet kein Gehör. Es perlt ab. Es macht die Herren noch nichtmal betroffen. Sie spiritualisieren weiter herum, sagen, es sei ein großes Zeichen für das Himmelreich, wenn einer morgens und abends sein Brötchen allein isst. Das spüren die Menschen nämlich… das macht ihren Glauben stärker. Nein. Es treibt Menschen weg. Sie treten aus der Kirche aus. Sie spüren, dass sie machen können, was sie wollen, sie werden nicht gehört. Die ihnen zur Firmung eingeredete Mündigkeit kommt rasch an die Grenzen. Dann muss die Weltkirche herhalten, die Tradition, die Macht der Bischöfe. Das System ist krank. Bischof Wilmer sagt es noch drastischer: in der DNA der Kirche steckt das Böse. Verständlich, dass Kardinal Wölki aufschreit und manche andere. Und man wird sich in der Bischofskonferenz heftig auseinandersetzen, keine eindeutige Lösung finden. Hier und da wird ein Bischof seinen Gläubigen schreiben. Faktor Zeit. Noch 4 Jahre, noch 3 Jahre. Andere bereiten angeblich eine neue Papstwahl vor. Kann nicht mehr ganz lange dauern. Wer weiß. Und alles wird wieder anders. Dann dürfte ich das so nicht mehr schreiben. Härter durchgreifen. Hat doch lange funktioniert. Und wer fragt nach Jesus? Wer schaut, wie Er gelebt hat, wo Er heute lebt? Das ist Seine Kirche? Ich kann die Frage nicht beantworten. Die kfd Deutschlands sagt: Macht Licht an. Richtig. Lassen wir mal beiseite, dass das vor 30 Jahren schonmal jemand versucht hat, Licht anmachen. Und vor 2000 Jahren ganz prominent, Licht anmachen. Die Finsternis hat es nicht ergriffen. Steht in der Bibel. Aber das Buch ist ja fertig. Das Kirchenbuch noch lange nicht. Jede und jeder schreibt mit. Wirklich? Oder werden Seiten eingeschwärzt?

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