2. Sonntag nach Weihnachten A 2026
Der guten Mär bring ich so viel, davon ich sing und sagen will –
singen wir im Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.
Das Hirtenvolk – und nicht nur das Hirtenvolk –
braucht die verkündigenden Engel,
die das sagen, was man sonst nicht sieht;
Maria und Josef brauchen den deutenden und weisenden Engel,
die Mut machen und auf den Weg schicken.
Die Geburt allein erschließt das Geheimnis nicht.
Das Wort muss hinzu.
Allein das Wort macht aus dem alltäglichen Geschehen etwas besonderes
oder lässt es als solches erkennen.
Worte erschließen.
Sie lenken unseren Blick,
sie lassen Bilder vor unser Auge treten:
Wir sehen, was wir sagen.
Und Worte sagen mehr als wir sehen.
Worte haben keinen Selbstzweck: Sie bringen Botschaften,
sie sind Ausdruck, sie hinterlassen einen Eindruck,
sie verbinden oder zerstören;
sie bleiben nur, indem sie Tat werden oder Gestalt annehmen.
Worte allein sind nur geschriebene Tinte.
Worte geben Sinn.
Was ich ohne Worte nicht verstehe, was sich mir nicht erschließt,
was mich nicht „an-spricht“, verändert das Wort.
Worte sind Ein-Reden, sie gehen in uns hinein.
Worte helfen entdecken.
Weihnachten ist, dass Menschen durch hinweisende Worte
Gott im Menschen entdecken, im neugeborenen Kind das Heil.
Und Worte schaffen Wirklichkeit.
Gott sagt: Es werde – und es wird: Schöpfung.
Eine gute Zurede bestärkt, ein verletzendes Wort macht uns klein.
Ein freundliches Wort kann die Sonne aufgehen lassen,
ein herabwürdigendes Wort verfinstert das Leben.
Mit Worten erschaffen wir Welten:
Das Wort „Ich liebe dich“ kann ein ganzes Leben neu begründen.
Das biblische Buch der Sprüche weiß:
„Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge;
wer sie liebevoll gebraucht, genießt ihre Frucht.“
Die Bibel, das Wort Gottes, möchte Sinn geben.
Es haucht dem Tod Leben ein, der Dunkelheit Licht,
dem Nichts Etwas.
Es weckt Hoffnungen, es stärkt den Glauben an und den Einsatz für
das scheinbar Unmögliche: Frieden, Gerechtigkeit, Brot für alle,
vollendetes Leben.
Worte wirken nur, wenn sie Fleisch werden, wenn sie wirken und bewirken.
Und darum sprechen uns nicht nur Worte an,
auch Dinge sprechen mit uns, Gegenstände, Naturereignisse,
die Natur selbst,
denn in ihnen ist Wort, Gottes Wort.
Weihnachten macht uns aufmerksam auf diesen einen und einzigartigen,
Christus, DEM Wort Gottes schlechthin;
und zugleich macht es uns aufmerksam darauf,
dass nichts, das geworden ist, ohne das Wort geworden ist.
Gottes „wörtliche Rede“ ist in allem.
Weihnachten lebt von dem Glauben,
dass Gott in unserer Welt nicht Lautstärke wählt, sondern Nähe,
nicht die Proklamation, sondern die Person,
nicht das Außergewöhnliche, sondern das Alltägliche,
die wörtliche Rede, die nahe geht,
die durchbuchstabierte Liebe, die bleibt.