1. 3. O-So. 2023 Lk 24,13-35
    Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern
    auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
    das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
    Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

Und ereignet hat sich viel.
Die Hoffnung, die in ihnen keimte, der Halt, den sie hatten,
ist weggebrochen.
Nicht nur weggebrochen, weggenommen, nieder- und lächerlich gemacht.
Man hat es nicht nur Jesus zeigen wollen, ihnen auch.
Eingeschüchtert haben sie das Weite gesucht –
suchen es immer noch, auch jetzt,
wo sie den Ort des grausamen Geschehens hinter sich lassen wollen.

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.  
Er fragte sie:
Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?

Wie gut, wenn jemand fragt: Was ist los?
Wie gut, wenn jemand mitgeht, sich interessiert, Zeit schenkt,
aufmerksam ist.
Da ist Jesus selbst am Werk.

Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn?

Anhalten, stehen bleiben,
nicht einfach weiter oder gar darüber hinweg gehen,
sich in der eigenen Trauer ernst nehmen und ihr Zeit geben.
Es aussprechen, auch wenn es weh tut,
es ins Wort bringen, was verletzt hat…
Es einem Fremden sagen, kann klären helfen,
kann eigene Gedanken ordnen.

Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen
und ans Kreuz schlagen lassen.
Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.

Wir haben auf die Macht gesetzt,
uns Großes versprochen.
Das roch nach Zukunft, nach Leben.
Wir haben darauf gebaut, wollten dabei sein, wenn Jesus siegt,
König wird, herrscht; ja, das hätte uns gefallen.
So hätte es weiter gehen können…

Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das alles geschehen ist.
Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis
haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so,
wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

Das wäre ja auch zu schön.
Obwohl: Warum eigentlich nicht?
Es könnte da weiter gehen, wo alles aufgehört hat.
Das wäre der Triumph schlechthin.
Und unsere Träume fänden doch noch Verwirklichung,
es würde sich machtvoll erweisen,
dass wir auf die richtige Karte gesetzt haben –
und alle würden es einsehen,
besonders die, die Jesus nach dem Leben getrachtet haben.

Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist,
um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
Musste nicht der Christus das erleiden
und so in seine Herrlichkeit gelangen?
Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

Die Darlegung hätte ich gern gehört.
Denn Kirche verfängt sich doch auch in dem Gedanken,
dass Jesus groß raus kommen muss, dass möglichst viele,
dass „alle“ es sehen und einsehen, dass er die Macht hat.
Und Glanz fällt ab auf alle, die dabei sind…

Wie notwendig ist ein gerade rücken:
Nicht vom Glanz auszugehen sondern vom Leiden,
vom Einstehen für das, was nicht zwingend massentauglich ist,
aber das eigene Herz als richtig und sinnvoll empfindet,
was das eigene Herz als Gott geboten wahrnimmt.

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten:
Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!

Was sich auf dem Weg erschlossen hat,
braucht noch Bekräftigung, eine Erdung am gemeinsamen Tisch.
Es braucht ein Dach, es will „be-dacht“ sein, behütet, bewahrt.
Der den Jüngern immer noch Fremde ist ihnen
lebendiger Trost, Weggefährte, offenes Ohr, behutsam Deutender.
Sie möchten ihn noch bei sich haben,
damit sich setzen kann, was sie gesagt und gehört haben.

Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war,
nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn;
und er entschwand ihren Blicken.
Und sie sagten zueinander:
Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schriften eröffnete?

Da wurden ihre Augen aufgetan.
Wer öffnet die Augen?
Gott? Der Gestus des Brotbrechens?
Das Gesamte? Das Reden, Gehen, Verweilen, bei Tisch sein?
Erkennen wird ermöglicht, kommt nicht von selbst,
kommt nicht augenblicklich, sondern nach einem langen Weg,
nach einer intensiven Begegnung.
Immer gibt es das „Vorher“, von dem man im Nachhinein weiß:
Da war schon was, da war mehr als wahrgenommen.

Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf
und die mit ihnen versammelt waren.
Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

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